Jodie Foster hätte ihren Spaß. Hier, im Wallis. Zwischen Leuk und Leukerbad, an einem der nördlichen Hänge des Rhône-Tals. Zwischen Weinbergen, mittelalterlichen Burgen, Skigebieten – unwirklich, unpassend, unübersehbar: ein Plateau, vollgebaut mit Satelliten-Schüsseln. Dutzenden. Betrachtet man sie aus der Entfernung, vom Tal oder einem Nachbarberg aus, dann scheinen die Dimensionen zu verwischen – denn sie passen nicht ins übliche Wahrnehmungsschema. Sie sind groß, sehr groß. So groß, dass sie in Google Earth oder Google Maps problemlos auszumachen sind.
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Nähert man sich dem Plateau, beschleicht einen unwillkürlich ein Hauch von Science Fiction, Mystery. Dieses “Akte X”-Ding. Das, was man auch fühlt, wenn man ein Atomkraftwerk besucht. Ruhig ist es rund um die Satelliten-Schüsseln. Kein Mensch da. Mehrere tausend Quadratmeter Areal, aber scheinbar menschenleer. Nur diese Dinger. Die sich manchmal langsam, sehr langsam, beginnen zu bewegen. Rund 30 Meter hoch sind sie. Parabol-Antennen. Und sie verströmen diesen Odem des 80er-Jahre High-Tech. Und natürlich fragt man sich: Wozu sind sie da? Überdimensionierter Lauschangriff? Suche nach “Contact”, nach den Außerirdischen, irgendwo da draußen?
Eigentlich erwartet man, irgendwelche campierenden Verschwörungsfanatiker vor dem Hochsicherheitstor aufzuschrecken. Die mit dem Alien tanzen. Aber nichtmal die sind hier. Statt dessen zeigt ein schüchterner Pfeil in Richtung “Expo”.
Ein Pfad durch ein kleines Wäldchen führt zu einem Pavillon, der vor 20 Jahren sicherlich sehr futuristisch wirkte. Auch hier – kein Mensch. Die Ausstellung zur Schüssel ist nicht sehr ausführlich, dafür ziemlich in die Jahre gekommen, aber immerhin kostenlos. Und sie lehrt, dass die Schweiz hier nicht etwa Aliens sucht, sondern anderweitig Kontakt schafft: Die Erdfunkstelle im Wallis verbindet die “Intelsat”-Satelliten auf der geostationären Umlaufbahn über dem Atlantik mit denen über dem Pazifik. Eine Relaisstation also für Telefon, Fernsehen, Internet. Dazu kommen Verbindungen über Eutelsat. Und irgendwie kann alles kreuz und quer gekoppelt und miteinander verbunden werden. Leider ist die “Expo” für Laien nicht sehr verständlich und für Fortgeschrittene nicht sehr auskunftsfreudig.
Immerhin beantwortet die Ausstellung die Frage, warum die Eidgenossen ausgerechnet hier, inmitten eines Landstrichs, in dem Rainer Maria Rilke Inspiration suchte, fand und in dem er schließlich begraben wurde, warum also ausgerechnet hier die Schüsseln aufstellen mussten?
Offenbar hängt dies ausgerechnet mit den Vorzügen eben dieses Landstrichs zusammen: Die Berge beidseits des Rhône-Tals schützen die filigrane Technik vor allzu wilden Stürmen, dazu hat das Wallis die höchste Sonnenscheindauer in der Schweiz – und wolkenfreier Himmel hat einer Satelliten-Verbindung schon immer gut getan. Außerdem biete das Plateau, so heißt es, freie Sicht auf die Satelliten über Atlantik und Pazifik. Und von Aliens ausgesandte elektromagnetische Wellen – die lassen sich hier bestimmt auch brilliant gut empfangen… Und nur hier… [an dieser Stelle bitte ein bisschen Unheimlichmusik dazu denken]
Die folgenden zwölf Bilder sind bei Flickr nochmal in Ruhe anzugucken. Auf dem ersten Foto sind die Schüsseln in der linken Bildhäfte zu sehen – aus etwa 10 km Entfernung.
