Posts Tagged ‘Fußball’

Betrifft: Fußball; hier: WM-Finalrunde

July 8th, 2010

Samstag. Abend. Ein bisschen grillen, Bierchen. Plaudern. Irgendwann wird einer sagen: “Schau mal. Da ist ein Tor gefallen.” Kurzer Seitenblick aufs TV-Empfangsgerät. Nett. Unaufgeregt. Und am Ende ist Deutschland dann Dritter der WM. Oder Vierter. Egal. Hauptsache, die Wurst war heiß. Und das ist doof.

“Und, wieviel Lust haben Sie nun auf das Spiel um Platz 3, Herr Lahm?”, fragte der Reporter. “Im Moment: keine”, lautete die Antwort. Eben. Das Spiel um Platz 3 ist die Sendezeit nicht wert. Wir werden es erleben, wieder mal.

Konstruktiver Gegenvorschlag: Wäre es nicht sinnvoller, nach den Viertelfinalspielen eine “Finalgruppe” zu bilden? Die vier besten Mannschaften noch einmal zusammen zu packen und wie in der Vorrunde gegeneinander kicken zu lassen, jeder gegen jeden, meinethalben auch mit Verlängerung und Elfmeterschießen nach 90 Minuten, falls nötig? Das würde für die Teams im Vergleich zum jetzigen Modus auch nur ein Spiel mehr bedeuten, dafür gäbe es am Ende einen Weltmeister, der den Namen wirklich verdient hat. Es würde der gewinnen, der am Ende die höchste Konzentration, die beste Ausdauer und die größte Spielfreude hatte. Es gäbe einen echten Besten der Guten.

Die Vorrunde in diesem Jahr hat gezeigt, wie spannend die Finalspiele einer Gruppe sein können, wieviel sich am letzten Spieltag noch verändern kann – Weiterkommen oder Rausfliegen, je nach Konstellation ist da alles noch drin. In der Finalgruppe würde das bedeuten: Pott oder Blumentopf. Für die Zuschauer aller vier Finalteilnehmer wäre eine “Finalkonferenz” also superspannend – und am Ende hätte der Beste aus drei Spielen gewonnen. Ich könnte mir das sehr schön als Alternative zum jetzigen Modus vorstellen. Obwohl ich an eine Umsetzung oder überhaupt eine Änderung des Modus bei den Verhärtungserscheinungen innerhalb der FIFA nicht wirklich glauben mag.

Drama, Baby!

February 17th, 2009

“De Handetasche muss leben.”

Bruce Darnell hat’s bei GNTM gesagt, und seither werden Handtaschen in Deutschland tamagochiartig gehegt, gepflegt, gefüttert und gewienert. Sie sollen, dürfen niemals nicht im Siechtum dahinsterben.

Vielleicht hat Ralf Rangnick diese übertriebene Form der Fürsorge gemeint, als er der Rhein-Neckar-Zeitung in den Block fauchte:

“Über Wochen und Monate haben meine Spieler gelesen, wie gut sie sind. Sie wurden wie Pop-Stars behandelt, als Models abgelichtet, die Handtaschen der Freundin waren wichtiger als der Fußball.”

Jetzt sind also die Handtaschen schuld. Nun – es ist zu beobachten, dass man dünnhäutiger wird in Hoffenheim. Das 1:4 gegen Bayer Leverkusen bedeutete zwar nicht den Weltuntergang, dafür aber endgültig die Ankunft in der Realität.

Traumfußball ist nicht mehr. Es ist Alltag im Kraichgau.

Grau und schmuddelig, wie der Winter in der Metropolregion. Dafür spricht auch, dass sich nach der ersten Heimniederlage in der Rhein-Neckar-Arena Spieler wie Trainer von Fernsehkameras fern hielten, Journalisten vor die Tür komplimentiert wurden, zugesagte Interviewtermine mit einem Mal wieder in Frage standen. Die Leichtläufigkeit hatte Urlaub.

Jetzt muss sich zeigen, wie krisenfest das Hoffenheimer Konzept ist, wenn die Luft mal ein wenig dünner wird. Souveränität zeigt sich vor allem dann, wenn die Zeiten schwerer werden. Und da hat 1899 ja seine Stärken, daran erinnert sich auch Rangnick, “als wir Vorletzter in der Regionalliga waren oder in der letzten Runde schwach in die 2. Bundesliga gestartet sind.” Indes, Rangnick sagt es selbst: Ehedem ging es um Regional- und Zweite Liga. Und heute? Heute geht es um nicht weniger als ein deutsches Fußballmärchen. Darum, den Spitzenplatz zurück zu erobern und am Ende Geschichte zu schreiben, darum, einen Traum wahr werden zu lassen – auch wenn das keiner zugeben wird.

Zu Beginn des Höhenflugs war von “Klassenerhalt ist das Ziel” bzw. jüngst von “UEFA-Cup-Platz wäre fantastisch” die Rede – beides ist durchaus realistisch, und insofern ist die schlechte Laune vom Wochenende kaum nachvollziehbar. Eigentlich. Nun – die Geschichte wird weitergehen, die TSG wird sich ins Zeug werfen und am Ende sicherlich nicht als Pop-, sondern als Fußball-Team überzeugen. Zur alten Leichtfüßigkeit zurückfinden. Wieder weniger mit dem Kopf und mehr mit dem Herzen spielen. Ob vielleicht Bruce sie anfeuern sollte? – “Mehr Drama, Baby!”

Hoffenheim ist nicht Bayern

February 16th, 2009

Der Mäzen von 1899 Hoffenheim, Dietmar Hopp, will die Kraichgauer nicht mit Rekordmeister FC Bayern München verglichen wissen: “Den FC Bayern München werden wir sicher nie herausfordern können”, sagte er in einem Interview für die Internet-Seite des Deutschen Fußball-Bundes.

Mit Blick auf Stadion-Kapazität, Mitgliederzahlen und Einnahmen aus Sponsoring und Fernsehen, sagte er: “Diese Dimensionen werden wir nie erreichen. Langfristig ist das einfach eine andere Nummer.” Zur Ausgang der Bundesliga meinte er: “Ein UEFA-Cup-Platz wäre ein fantastischer Erfolg.” Außerdem sprach Hopp über die Rolle der Hoffenheimer Spieler in der Nationalmannschaft; darüber, dass er Chinedu Obasi als einen der fünf besten Spieler in der Liga sieht, über Finanzierung des Fußballs in Hoffenheim und über den Frauenfußball.

Das gesamte Interview via dfb.de hier.

Lächeln (dümmlich)

October 26th, 2008

Nun weiß ja jeder, dass ich keine Ahnung von Fußball habe. Dass ich ein Fähnchen im Wind und ein Schönwetter-Fan bin. Und auch wenn ich der Letzte bin, der heute zu jubeln hätte, so stelle ich doch fest, dass ich seit Stunden die Welt mit einem dümmlichen Lächeln beglücke. Warum? 1899 Hoffenheim hat den HSV mit 3:0 gewickelt. Tabellenführer! Yay!

Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) jubelt dazu kurz und knapp (zitiert via RNF):

Hoffenheim entzaubert HSV: Mit 3:0 an die Tabellenspitze

Mannheim (dpa) – Mit atemberaubendem Tempo-Fußball haben die Himmelsstürmer von 1899 Hoffenheim auch den Hamburger SV entzaubert und die Hanseaten von der Tabellenspitze der Bundesliga gestürzt. Die Badener erteilten dem HSV am Sonntag in Mannheim mit 3:0 (3:0) eine wahre Lehrstunde und eroberten selbst Platz eins. Vor 26 300 Zuschauern im ausverkauften Carl-Benz-Stadion trafen Chinedu Obasi (7./36.) und Vedad Ibisevic (13.) mit seinem zehnten Saisontor für den Aufsteiger. Dagegen enttäuschte der HSV drei Tage nach dem UEFA- Cup-Sieg in Zilina auf ganzer Linie und war vor allem in der Defensive völlig überfordert.

Weil ich ja nun ein Schönwetter-Fan bin, habe ich mich nicht rechtzeitig um Karten gekümmert und war auch nicht vor Ort im Carl-Benz-Stadion dabei. Aber ich hab’ immerhin einen Livestream im Internet ausfindig gemacht und mir das Spiel 92 Minuten lang angeschaut. Und ich hab tollen Fußball gesehen. Schnelle Hoffenheimer Pässe in die Spitze, eine trudelnde HSV-Abwehr, vergleichweise desillusionierte Petrics und Olics. Das hat richtig Spaß gemacht.

Spätestens seit diesem souveränen Sieg gegen einen ausgemachten Traditionsverein und eventuell sogar Titelaspiranten ist 1899 Hoffenheim als ernst zu nehmender Konkurrent in der Bundesliga nicht mehr wegzudiskutieren – und wird von nun an gejagt werden. Der Sieg über den HSV war kein “Anfängerglück” mehr: 1899 zeigte Substanz und Energie über die gesamte Spielzeit. Und: Der Erfolg von heute kann “Hoffe” noch eine Weile tragen – das ist eine Riesenchance für den weiteren Verlauf der Saison, wenn auch Kraft und Konzentration ausreichen. Die Energie innerhalb des Teams zu kanalisieren und einen kollektiven Höhenflug zu verhindern; das wird wohl die Hauptaufgabe von Coach Ralf Rangnick in den nächsten Tagen sein.

Ich für meinen Teil werde in den kommenden Tagen mal lesen, was die einschlägigen Blogs über das Spiel so schreiben… also die Menschen, die wirklich Ahnung vom Sujet Fußball haben… :-P

Fußball-Niederungen

August 16th, 2008

15. August 2008, 20:30 Uhr – Fußball-Deutschland hat seine Bundesliga wieder. FC Bayern gegen HSV, eine attraktive Partie zum Start. Sofa, Bierchen, ein bisschen Fußball-Blödeln in Twitter. Herrlich.

21:20 Uhr: Das Bereitschaftshandy klingelt. Bei der viertklassigen Fußball-Begegnung haben sich Fans des SV Waldhof Mannheim und von 1860 München (2. Mannschaft…) in die Wolle bekommen. Feuerwerk im Münchner Fanblock, die Mannheimer Fans reagieren “gewaltbereit”, wie die Polizei es ausdrückt. Als Journalist in Mannheim weiß man, was das bedeutet. Der Bundesliga-Fußball-Abend ist vorbei; wir fahren raus. Die Fakten sind relativ schnell erzählt: hier.

Was aus der Nachrichtenmeldung nicht hervorgeht, ist die geladene Stimmung vorm Carl-Benz-Stadion: Als wir mit der Kamera auftauchen, rotten sich sofort sechs, sieben Fans, zum Teil vermummt, zusammen und drohen: “Wann ihr do filmt, schlachemer eisch zamme. Is des klar? Die Kamera bleibt aus, bloß dassders wisst.” Wir glauben den Halbstarken. Denn wo sich hoher Alkoholpegel mit unterirdischem IQ paart, sinken Frustrations- und Hemmschwellen auf ein Minimum. Rationale Argumentation verpufft ohnehin. Also: Rückzug. In der Nähe stehen etwa 50 Polizisten, die sich den Abend sicherlich auch anders vorgestellt haben: Schutzschilde, Helme und das Ding, dass man offiziell nicht Knüppel nennen darf, haben sie dabei. Frühsport am Abend: Wenn aufgeheizte Mob losrennt, bewegen sich auch die Polizisten – immer hin und her in Höhe des Luisenparks. Zwischendurch der wohl meinende Rat an uns: “Guckt mal, dass ihr hinter der Litfaßsäule bleibt – von da drüben fliegen immer wieder Steine – kann weh tun.” Und warum? “Die warten auf die 60er-Fans. Die stehen hinterm Stadion mit ihren Bussen und kommen nicht raus.” Wir gehen mit der Kamera mal nachgucken – und finden: nichts. Die Busse haben sich inzwischen durch eine Räuberles-Ausfahrt unbemerkt verabschiedet. Und trotzdem dauert es noch mehr als eine dreiviertel Stunde, bis sich die Stimmung vor dem Stadion beruhigt.

Was ist das nun? Der Frust der Vierklassigkeit? Wohl eher nicht. Es scheint, als sei die Liga egal – sich kloppen kann man im Zweifelsfall auch in der Kreisklasse. Von den strahlenden Fan-Festen der WM 06 und EM 08 ist auf dem Waldhof jedenfalls nichts zu spüren. Die allgemein wieder gewonnene Fußball-Euphorie ist zumindest an einem Teil der Blau-Schwarz-Fans vorbei gegangen, ganz offensichtlich. Schade eigentlich.

In der Viertklassigkeit bleibt’s nach solchen Abenden bei regionalen Nachrichtenmeldungen. Am kommenden Spieltag aber, am 23. August, empfängt Bundesliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim Borussia Mönchengladbach zur Heim-Premiere. In eben jenem Carl-Benz-Stadion, das gestern Schauplatz von Viertliga-Krawallen war. Wenn die Chaoten dann ihre nationale Bühne wittern (der Verein, der in Mannheim als Gastgeber spielt, ist im Zweifelsfall wohl auch egal) wird’s richtig bunt. Und noch bevor Hoffenheim überhaupt zeigen konnte, was es im Fußball kann, ist Mannheim wieder als Assi-Stadt des Ballsports in aller Munde. Das hatten wir schon einmal. Nein, so wünsche ich mir Spitzen-Fußball im Delta nicht.