Archive for the ‘Rund um den Job’ category

Das nanotechnologische Nana-Virus

March 15th, 2010

Seit knapp zwei Wochen läuft in Mannheim eine virale Kampagne. Etwa hier oder hier oder hier.  Darauf gekommen bin ich, weil ich ein ominöses Päckchen bekommen bekommen habe, dessen Inhalt mich zu einem Spiel aufforderte. Ganz offenbar – das war schnell klar – gehörte das Päckchen zu einer viralen Kampagne, um ein Projekt, ein Unternehmen oder ein Produkt zu pushen. Neben der Frage, wie das Spiel vorangehen würde, interessierte mich insbesondere die Frage, wer dieses Spiel initiiert hatte. Und darum geht es im folgenden Beitrag, der heute in der Sendung “RNF Life” des Rhein-Neckar Fernsehens ausgestrahlt wurde. *) [siehe sehr weit unten]

Inzwischen weiß ich, dass 30 dieser Pakete an Blogger, Gamer und Schulen in der Metropolregion Rhein-Neckar verschickt wurden. Das “Virus” wurde also chirurgisch genau gesetzt – der Versender konnte sich kaum Streuverluste leisten und musste sich sicher sein, dass die Empfänger auf die Aktion einsteigen würden.

Nun könnte man sagen: RNF hat sich zum Werkzeug dieser Kampagne machen lassen, indem es der Aktion im redaktionellen Teil ein Forum geboten hat. Nun ja. Ok. Ein Stück weit. Andererseits ist die Kampagne aber doch außergewöhnlich und phantasievoll – und eine solche Geschichte kann man ruhig mal erzählen, zumal die qualitativ hochwertige Nano-Ausstellung des “Technoseums” auch unter anderen Aspekten Gegenstand der redaktionellen Berichterstattung bei RNF sein wird. Außerdem haben die “vm-people” aus Berlin, die diese Kampagne entwickelt haben, aus meiner Sicht mindestens zwei Dinge richtig gemacht:

  1. Sie haben sich als Absender erkennbar gemacht: Jedes Päckchen war mit der vollen Adresse der Agentur versehen. Man hätte die Urheber also jederzeit kontaktieren und sich über den Zweck des Päckchens informieren können, wenn man allzu skeptisch gewesen wäre.
  2. Es gab an keiner Stelle innerhalb dieser Kampagne die Aufforderung, über die Aktion zu berichten; sei es journalistisch oder via Blog. Die Kampagne vertraut alleine auf ihre Attraktivität. Weder suggerierte sie dem Empfänger des Päckchens eine Verpflichtung sich erkenntlich zu zeigen, noch folgten nach Zusendung des Päckchens weitere zweideutige Marketing-Angebote.

Diese beiden Punkte ließen mich überhaupt ins Spiel einsteigen und vermuten, dass es sich um eine seriöse Aktion handelte; was im übrigen auch die Voraussetzung war, dass ich überhaupt in Erwägung zog, einen redaktionellen Beitrag über die Kampagne zu machen.

Ich frage mich natürlich, inwieweit es Kalkül war, dass ausgerechnet ich eines der abgezählten Päckchen bekam. Konnte man damit rechnen, dass der “Zwonullie” der regionalen Fernsehredaktion auf ein solchermaßen auf dem Silbertablett offeriertes Thema anspringen würde? Oder ist es der Agentur gar nicht so recht, dass wir nun vorab veröffentlicht haben, dass letzten Endes das Technoseum hinter “Nanas kleiner Welt” steckt? Das Rätsel, das im Moment z.B. auf Facebook noch läuft, ist damit faktisch überholt. Andererseits sind durch unseren Beitrag in “RNF Life” am 15. März – grob geschätzt – 250.000 Menschen in der Metropolregion Rhein-Neckar auf die Kampagne aufmerksam geworden und haben eine zusätzliche Information zur anstehenden “Nano”-Ausstellung erhalten. Ist es nicht eines der primären Ziele einer Kampagne, eine möglichst breite Aufmerksamkeit zu erlangen? Ist ein TV-Beitrag dazu wünschenswert? Oder ist er dem Charakter der Viralität eher abträglich? Die Beantwortung dieser Fragen wäre dann wohl der nächste Teil einer Berichterstattung – die aber für unser regionales TV-Magazin doch zu speziell ist.

Bei den "Mannheimer Motoren-Werken" war die vierte Karte in Nanas Schnitzeljagd versteckt.

Aus der Sicht des direkten Adressaten zolle ich der Kampagne rundweg Respekt: Das Rätsel rund um Nana ist bis heute spannend inszeniert, die Rätsel auf allen Ebenen anspruchsvoll. Dass eine der “Schlüsselkarten” etwa bei den MWM zu finden war – nicht vorhersehbar. Die Fragen, um auf die “verdeckten” Websites zu gelangen – schwierig. Ich musste doch etwas intensiver googeln, um jeweils auf die richtigen Antworten zu kommen. Ich hatte nicht eben mit einem Frage-Antwort-Schema à la RTL gerechnet (“Was fährt Michael Schumacher? A: Rennwagen, B: Dreirad”), aber dass ich mich seitenlang durch Fachartikel wühlen würde, hatte ich auch nicht erwartet. Schließlich sind die Info-Seiten rund um die “Nanotechnologie” aufwändig gestaltet, sauber recherchiert und unter anderem mit eigens produzierten Einspielfilmen angereichert. Ohne dass ich mich anbiedern möchte: Die Kampagne macht Lust auf mehr – und hat damit ihr wichtigstes Ziel, zumindest bei mir, erreicht.

*) Der Beitrag hat nicht nur ein im weitesten Sinne zwonulliges Thema, sondern wurde auch von mehreren Zwonullies produziert:

Wir drehen dann schon mal für einen Beitrag über eine Viral-Kampagne…

March 9th, 2010

…die seit ein paar Tagen in Mannheim läuft. Alles noch sehr kryptisch, und ich bin auch nur durch einen Riesenzufall drauf gekommen. Ein paar Elemente fehlen auch noch, um die Geschichte rund zu bekommen… Das wird aber noch, ganz sicher. :)

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Neue Sendereihe: Die “Bermuda Shorts” auf RNF

February 10th, 2010

Ab 1. März neue Sendereihe auf RNF | Kooperation mit der FilmCommission Metropolregion Rhein-Neckar und der freien Filmszene in der Region | Preview-Party am 25. Februar im Atlantis-Kino, Mannheim

In diesem Design gehen die "Bermuda Shorts" ab 1. März bei RNF an den Start
In diesem Design gehen die “Bermuda Shorts” ab 1. März bei RNF an den Start

Mit einer neuen Sendereihe startet das Rhein-Neckar Fernsehen ins Frühjahr: „Bermuda Shorts” zeigt Kurzfilme, die in der freien Szene der Metropolregion entstanden sind. Die neue Reihe entstand in Kooperation mit der FilmCommission Metropolregion Rhein-Neckar.

„Gerade bei uns im Dreieck macht es Sinn, eine solche Sendung zu starten”, sagt RNF-Projektleiter Ralph Kühnl, „denn die Szene ist hier außergewöhnlich dicht.” Nach Informationen der FilmCommission der Metropolregion Rhein-Neckar sind hier in den vergangenen beiden Jahren an die 170 kurze Streifen entstanden. Die meisten von ihnen werden bei einem der vier Kurzfilmfestivals eingereicht: Der Goldene Hirsch, B-Seite, GirlsGoMovie und Clip Award. Die Filmemacher nähern sich ihrem Sujet mit unterschiedlichen Zielen und Ansprüchen: Ihre Clips entstehen aus privatem Antrieb oder als Studienarbeiten der Hochschule für Gestaltung, als Bewerbungen für Filmhochschulen oder Ergebnisse von Workshops. Bedient werden alle Genres von Fiktion über Dokumentation und Musikclips bis hin zur Animation in Längen zwischen einer und 15 Minuten.

„Diesen Werken wollen wir künftig eine Plattform bieten. Es war nahe liegend, dass der Fernsehsender für die Metropolregion Rhein-Neckar den Filmemachern das Tor zu einer breiteren Öffentlichkeit öffnet”, begründet RNF-Programmchef Bert Siegelmann das Engagement des Senders. „Die Produktionen haben nicht selten einen überraschend frischen Blick auf die Region, sie setzen bekannte Spielorte in einen völlig neuen Kontext. Diese neuen Ideen wollen wir durch die Ausstrahlung auf RNF wertschätzen und fördern.”

Die freie Filmszene arbeitet an der Produktion der „Bermuda Shorts” intensiv mit. So sind beispielsweise Virginia Hauck, Organisatorin des Festivals „Der Goldene Hirsch” und Benjamin Jantzen, Projektleiter des Videokunstfestivals „B-Seite”, in die Redaktion der Sendung eingebunden. „Für viele Filmer könnte die Sendung ein zusätzlicher Anreiz sein, intensiver als bisher zu produzieren. Wir erhoffen uns noch mehr und noch bessere Filme in der Zukunft, um unsere Position als führender Kurzfilm-Cluster in Deutschland und Europa zu festigen und auszubauen”, skizziert Virginia Hauck ihre Motivation bei den „Bermuda Shorts” mitzumachen und die Sendung auch mit zu präsentieren.

Der Name ist übrigens keine völlig neue Kreation: „Bermuda Shorts” hieß bereits eine DVD aus dem Jahr 2009 mit den besten Filmen aus den vier Festivals, herausgegeben von der FilmCommission Metropolregion Rhein-Neckar in Kooperation mit dem Medienforum Heidelberg. „Die Sendung ‘Bermuda Shorts’ ist der nächste logische Schritt einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit und einer rasant wachsenden Filmszene in der Region. RNF ist die ideale Plattform, um die regionalen Filmemacher einem breiteren Publikum zu präsentieren und weitere Motivation für die Szene zu schaffen, so dass wir in naher Zukunft nicht nur Filme, die in der Region gedreht wurden, sondern auch Filme von Filmemachern aus der Region auf der Berlinale bewundern können”, so Michael Ackermann, Projektleiter der FilmCommission Metropolregion Rhein-Neckar.

Moderatorin der „Bermuda Shorts” ist die RNF-Mitarbeiterin und ehemalige Miss Germany Alexandra Philipps: „Das Konzept hat mir sofort gefallen. Mein Job ist es unter anderem, die Filme für den Zuschauer einzuordnen. Manchmal ist es schon spannend die Gründe zu hören, weshalb ein Film überhaupt und warum er so und nicht anders entstanden ist. Deshalb werden wir immer wieder Gesprächspartner einladen, etwa Regisseure, die etwas über ihre Produktionen erzählen.”

„Bermuda Shorts” ist immer montags um 21:30 Uhr und dienstags um 23:30 Uhr im Programm von RNF zu sehen. Jeweils zum Monatsbeginn gibt es eine neue Ausgabe der Sendereihe. Die Premiere geht am Montag, 1. März 2010, um 21:30 Uhr on air.

Vor der Erstausstrahlung im Fernsehen gibt es eine Preview-Party im Mannheimer Kino „Atlantis” (K2,32; 68159 Mannheim) am Donnerstag, 25. Februar 2010, 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Kontakt für Rückfragen:

RNF, Ralph Kühnl, Telefon: 0621/392-2784, Email: ralph.kuehnl@rnf.de

Web-Links:

http://www.rnf.de

http://www.filmcommission-mrn.com/

Chinesische Weisheiten – Teil III: Das Ding mit der Meinungsfreiheit

January 19th, 2010

China ist ja schon kompliziert. Und sobald die Rede auf Meinungsfreiheit, Informationsrechte und ähnliches kommt, ist man sehr nahe daran, sich den Mund zu verbrennen. Weil dieser Themenbereich eben unglaublich sensibel ist und schnell hitzige Diskussionen heraufbeschwört. Ich versuche trotzdem ein paar Eindrücke dazu zu formulieren – allein aus der subjektiven Sicht der vergangenen Tage.

In China wird zensiert. Völlig klar. Während meines Aufenthalts im Reich der Mitte kochte der Streit mit Google gerade so richtig hoch. Aber man kann nicht sagen, dass dieser Streit in der Berichterstattung der chinesischen Medien totgeschwiegen worden wäre. “China Daily” etwa, ein regierungsnahes Blatt in englischer Sprache, berichtete auf Seite 1 ausführlich darüber, dass Google künftig nur noch unzensierte Such-Ergebnisse auf google.cn anbieten will und dass es erwägt sich aus China zurückzuziehen, sollte das nicht möglich sein. Auch der Aufhänger für die Google-Offensive wurde genannt: Es habe einen Angriff aus China auf “Googles geistiges Eigentum” gegeben; dabei wurden Auszüge aus Googles Blogpost zitiert. Geflissentlich weggelassen wurde in dem Artikel der Verweis auf die Textstelle, in der die Rede davon ist, dass vor allem Gmail-Accounts chinesischer Menschenrechtler das Ziel des Hacker-Angriffs waren:

Second, we have evidence to suggest that a primary goal of the attackers was accessing the Gmail accounts of Chinese human rights activists.

Das erfuhr der “China Daily”-Leser nicht. Dafür aber gab es durchaus das Statement eines staatlichen Offiziellen zu lesen, der sinngemäß sagte: “Natürlich zensieren wir das Internet. Wir wollen pornografisches Material sowie Gerüchte von der breiten Masse fernhalten. Dazu erscheint der Regierung Zensur als das richtige Mittel.” Ende der Durchsage. Mit anderen Worten: Die chinesische Regierung macht keinerlei Hehl daraus, dass sie der Bevölkerung Informationen vorenthält. Ich wage nicht einzuschätzen, inwieweit dies auf Zustimmung oder Ablehnung in der breiten Masse der Bevölkerung stößt. Auch in persönlichen Gesprächen z.B. mit Übersetzern habe ich mir dazu keine abschließende Meinung bilden können.

Jedenfalls ist es aber nicht so, dass in China eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht möglich wäre: So ist etwa die weiter unten verlinkte “South China Morning Post” als gedruckte Ausgabe in den Metropolen frei verfügbar, im Hotel liegt sie ohnehin aus, und diese in Hong Kong produzierte Zeitung geht mit der Regierung regelmäßig harsch ins Gericht – und dort war die Google-Story denn auch in vollem Umfang zu lesen.

Um Opfer der Zensur zu werden, muss man im übrigen nicht sehr weit surfen: Vom Hotel-Netzwerk aus waren Twitter und sämtliche seiner Web-Clients (Seesmic, HootSuite, Brizzly u.a.), Facebook, identi.ca, Plurk und viele weitere soziale Netzwerke nicht erreichbar. Der Austausch von Information “One-to-many” wird also unterbunden. Dagegen waren Gmail und deutsche Nachrichtenseiten völlig problemlos nutzbar. Im Hotel liefen “CNN Asia” und “Deutsche Welle” wie selbstverständlich im TV – eine komplette Unterbindung von Information findet also nicht statt.

Nun war ich ja sehr durchsichtig als Berichterstatter im Land; zwar mit schlanker Ausrüstung, aber durch professionelles Equipment durchaus als TV-Journalist identifizierbar. Interessiert hat das aber niemanden. Die Zeiten, in denen man sich nicht frei bewegen konnte oder den Rat bekam Kameras zu verstecken, sind vorbei. Wir konnten völlig frei vom Hotel aus mit dem Taxi fahren, wohin wir wollten und reden, mit wem wir wollten – obwohl der Stadtregierung bekannt war, dass sich in der Mannheimer Delegation Journalisten im Anhang befanden. Wir wurden nett und zuvorkommend behandelt, und als die Airline eine Tasche mit Tapes und Licht-Equipment verdummbeutelte, besorgte man mir sogar vom lokalen TV-Sender völlig unbürokratisch und kollegial Ersatz. Ich konnte meine Beiträge schnell und ungebremst vom Hotel aus via High-Speed-Internet nach Deutschland absetzen. Ob eine Kopie meiner Beiträge auf diesem Weg unbemerkt direkt an eine Zensurstelle durchgereicht wurde – keine Ahnung. Entsprechende Geschichten werden ja gerne kolportiert; ich habe keinen Anhaltspunkt dafür entdecken können. Wie gesagt: Mag sein, dass Kollegen, die häufiger über China berichten und offiziell als Journalisten dort akkreditiert sind, andere Erfahrungen gemacht haben – meine Beschreibungen sind subjektiv.

Auch der Besuch von Außenminister Guido Westerwelle war Thema in der “China Daily”. Der Artikel räumt ein, dass Westerwelle die Situation der Menschenrechte in China weit oben auf der Agenda hatte und diskutiert chinesische Reaktionen darauf. Es heißt, grundsätzlich hätten sich die deutsche und die chinesische Seite darauf geeinigt, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des jeweils anderen einzumischen. Höflich, bestimmt, eindeutig – so nennt man das wohl. Und dann lässt der Artikel “lokale Medien” sagen: Eine veränderte deutsche Haltung zu Menschenrechten, Tibet etc. könne Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Beziehungen haben. Worauf der frühere chinesische Botschafter in Berlin sich bemüßigt fühlt zu relativieren: China sei immer offen für einen Dialog in Bezug auf den Umgang mit den Menschenrechten im Land. Also – viele Worte, eindeutige Botschaft: “Haltet euch raus.”

Mein Eindruck ist, dass China offener ist als noch vor Jahren, als ich zum ersten Mal dort war. Die Menschen geben sich lockerer und gleichzeitig kritischer mit ihrem eigenen Land. Der Grad der staatlichen Regulierung und Kontrolle ist dabei natürlich noch immer immens hoch – zu hoch, für unser westliches Empfinden. Dennoch scheint sich das Land zu mühen innerhalb eines großzügiger werdenden Rahmens mehr und mehr Freiheiten zu gewähren. Spannend zu beobachten, wie weit das gehen wird.

Chinesische Weisheiten – Teil II: iPhone-Geknipse

January 18th, 2010

Mein Fokus beim Kurz-Trip nach China lag als Video-Journalist naturgemäß auf der Aufzeichnung bewegter Bilder. Deshalb habe ich nur zwischendurch immer mal und ziemlich unsystematisch auf die iPhone-Knipse gedrückt…

Chinesische Weisheiten – Teil I: Willkommen im Club

January 18th, 2010

China ist anders. Und dann auch wieder nicht. Eine Woche war ich dort, habe eine Delegation der Stadt Mannheim begleitet, die ihre Partnerstädte Zhenjiang und Qingdao besuchte, um neue Projekte zu besprechen und die Freundschaft zu beleben. Das offizielle Geschehen habe ich mehrere Beiträge gepackt, die täglich im Rhein-Neckar Fernsehen gesendet wurden – ich habe sie vor Ort gedreht, geschnitten, vertextet und dann per FTP zum Sender übertragen. Von chinesischer Seite gab es da übrigens keinerlei Restriktionen. Ich konnte mich mit der Kamera völlig frei bewegen, Interviews führen, Fragen stellen; und auch die Übertragung nach Deutschland wurde nicht behindert. Im Gegenteil: Die Übertragungsraten lag konstant bei bis zu 4 Mbit/s – damit lässt sich schon was anfangen.

Abseits des offiziellen Programms hab’ ich einige Dinge erlebt, die sich besser bloggen lassen als dass sie sich zur journalistischen Berichterstattung eignen – die findet Ihr jetzt hier, in loser Folge, heute beginnend mit der Geschichte eines Club-Besuchs in Qingdao, einer früheren deutschen Kolonie, in der Deutsche auch heute noch mit großer Sympathie aufgenommen werden (Wikipedia-Link). Heute ist Qingdao eine Acht-Millionen-Metropole am Meer, zweitgrößter Seehafen des Landes, eine Flugstunde von Beijing entfernt, Wettkampfort der olympischen Segelwettbewerbe 2008. Eine Stadt im Aufwind, weltoffen, modern, prosperierend. Wer mit einer “klassischen” Vorstellung von China im Kopf hierher kommt, erlebt einen Kulturschock: Fahrräder gibt’s keine mehr, dafür um so mehr Porsche Cayenne und Audi Q7. Die Garküchen sind Pizza Hut, Starbuck’s und KFC gewichen, Lebensmittel werden hier bei Carrefour gekauft, Klamotten gibt’s in der globalisierten Shopping Mall. Wären nicht irgendwo dann doch chinesische Schriftzeichen, Downtown Qingdao könnte auch in den USA, Australien oder irgendwo in Europa stehen.

Die Skyline von Qingdao (zum Vergrößern klicken)

In Qingdao gibt es durchaus so etwas wie eine Oberschicht, die erklecklich viel Geld verdient; das Durchschittseinkommen liegt dennoch nur bei etwa 1800 RMB, also etwa mehr als 180 Euro – das reicht nicht für den “westlichen” Lebensstil, in dem die Preise nur geringfügig unter unseren in Deutschland liegen. Ein “Big Mac” etwa kommt auf umgerechnet 2,80 EUR – das ist, gemessen am Einkommen, teuer. Und doch steht Westliches hoch im Kurs.

Zum Beispiel die brandneue “Ye Chao Bar” im neuen Szeneviertel Qingdaos: Ein Club, der hierzulande für Furore sorgen könnte. Edelst eingerichtet, Kronleuchter an der Decke im Kontrast mit Scannern und einer Video-Wall, dazu eine Sound-Anlage, die keine Wünsche offen lässt. Eine reizvolle chinesisch-westliche Mélange, stilvoll, individuell. Alles super also. Auch die Musik-Auswahl des DJs hatte einiges für sich. Was ihn aber trieb, kurz vor Mitternacht ausgerechnet einen deutschen Song zu spielen, noch dazu diesen, das blieb sein Geheimnis:

Die Chinesen jedenfalls gingen dazu ab ohne Ende. Irgendwo eingebettet zwischen Lady Gaga und R’n'B waren die Zipfelbuben der Kracher dieser Nacht. Vielleicht, weil uns dieses Faktum die Lachtränen in die Augen trieb und wir so beste Laune an alle Umstehenden weiterreichten, lud uns der Besitzer des Clubs auf eine Flasche Schampus ein. She-she!

RNF jetzt auch mobil immer dabei

October 9th, 2009

Es gibt was Neues aus der Schmiede meines Arbeitgebers, das eventuell für den ein oder anderes Leser aus dem Delta nicht ganz uninteressant sein dürfte. Ihr seid doch alle irgendwie auch webaffin und so… Unsere Sendung gibt’s jetzt auch als Podcast, unterstützt übrigens wiederum vom @ripanti und seinen Jungs bei @ekaabo (die auch yiid.com machen), insbesondere dem @weyandch. Der Einfachheit halber habe ich den Post von blog.rnf.de hierher übertragen.

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Wer viel unterwegs ist, braucht auf aktuelle regionale Fernseh-Nachrichten nicht mehr zu verzichten: Das Rhein-Neckar Fernsehen bietet jetzt unter dem Titel “RNFkompakt” tagesaktuell Ausschnitte aus der Sendung “RNF Life” als Video-Podcast für mobile Geräte an. Die mobile Ausgabe enthält die Filmbeiträge, Kommentare und Nachrichtenmeldungen aus “RNF Life”, von Fall zu Fall auch Studio-Interviews. Sie ist zwischen acht und 15 Minuten lang und daher für die mobile Nutzung optimiert. “RNFkompakt” steht an jedem Werktag ab etwa 19:30 Uhr zum Download zur Verfügung.

Wie kann ich RNFkompakt sehen?

RNFkompakt ist via RSS und über den Apple iTunes-Store kostenfrei abonnierbar. Damit ist eine Nutzung aus den meisten mobilen Endgeräten wie iPods, iPhones und Smartphones mit RSS-Reader und Videoplayer (z.B. in Verbindung mit WindowsMobile) gewährleistet.

rnfkompakt_itunes_rnfseiteMöchten Sie “RNFkompakt” auf Ihrem Video-iPod sehen, nutzen Sie diesen Link in den Apple iTunes-Store, um “RNFkompakt” als Podcast zu abonnieren. (Anmerkung: Sie müssen iTunes auf Ihrem Rechner installiert haben, um diesen Link nutzen zu können.) Sie können sich “RNFkompakt” auch direkt an Ihrem Computer über die Videofunktion von iTunes ansehen.

rnfkompakt_itunesAls iPhone-Nutzer können Sie in der Suchfunktion von iTunes “RNF” eingeben. Sie werden dann zu “RNFkompakt” weitergeleitet.

Als Nutzer eines Smartphones geben Sie die Adresse http://www.rnf.de/rnfkompakt/podcastRss in den RSS-Reader ein. Je nach Einstellung Ihres Readers lädt Ihr Handy dann jede neue Ausgabe von RNFkompakt herunter. Bitte beachten Sie: Um das Angebot zu nutzen, sollten Sie bei Ihrem Mobilfunk-Provider eine Daten-Flatrate gebucht haben. Jede Ausgabe von “RNFkompakt” umfasst zwischen 40 und 80 MByte Datenvolumen. Falls Ihr Handy über keinen werkseitig installierten RSS-Reader verfügt, können Sie in den meisten Fällen eine entsprechende Software downloaden und auf Ihrem Gerät installieren. Für Smartphones mit WindowsMobile als Betriebssystem haben wir z.B. mit dem kostenfreien BeyondPod-RSS-Reader gute Erfahrungen gemacht.

Sie können “RNFkompakt” auch ohne mobiles Endgerät sehen: Klicken Sie auf der Startseite von www.rnf.de einfach oben rechts auf das Banner mit dem Titel “RNFkompakt“.

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Slinkachu aufm Werksgelände. So ‘ne Art von.

September 18th, 2009

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Es dauerte bis heute, ehe ich etwas von Slinkachus “Little People”-Projekt erfuhr: Kleine Menschen in Alltagssituationen, irgendwo in unserer realen Welt positioniert. Wie ich drauf kam? Über einen schlauen Kollegen. Bei einem Dreh auf dem Werksgelände der BASF in Ludwigshafen fiel meinem Kameramann (das sind die Menschen mit dem speziell scharfen Blick fürs Wesentliche) ein kleines Eselchen auf, das dort auf einem Stein wohnt. Völlig unscheinbar. Quasi zwangsläufig übersehbar. Knipse rausgezogen, fotografiert. Feine Sache. Und noch was dazu gelernt.

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Sturm

August 11th, 2009

Gestern Abend ging über der Bergstraße ein heftiges Gewitter nieder. Dabei wurde in Schriesheim offenbar ein Mann vom Blitz getroffen und getötet:

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(via rnf.de)

Fahrradfahrer wahrscheinlich vom Blitz erschlagen

Schriesheim/Gaiberg (dpa/lsw) – Bei heftigen Gewittern im Rhein- Neckar-Kreis ist ein 35-Jähriger wahrscheinlich von einem Blitz erschlagen worden. Wie die Polizei in Heidelberg mitteilte, wurde seine Leiche am Dienstagmorgen an einem Baum zwischen Dossenheim und Schriesheim gefunden. Nach ersten Ermittlungen geht die Polizei davon aus, dass der Fahrradfahrer am Montagabend Schutz unter dem Nussbaum suchte, als heftiger Gewitterregen einsetzte. Nähere Erkenntnisse soll die Obduktion der Leiche bringen. In Gaiberg löste das Unwetter einen Brand aus. Als ein Gewitter rund um das Königsstuhlmassiv niederging, schlug ein Blitz in den Dachstuhl eines Hauses. Laut Polizei entstand 80 000 Euro Sachschaden. Verletzt wurde niemand.

DSC_0664Ich war auf dem Weg von Ludwigshafen nach Hause und fuhr sozusagen direkt auf das Gewitter zu. Es war eine gespenstische Stimmung. Die Wettergrenze schien direkt über mir zu verlaufen. Die Bilder geben das Phänomen nur unvollständig wider: Auf der einen Seite bestes Wetter, Sonne, blauer Himmel; auf der anderen Seite tiefschwarze, bedrohliche Wolken, die nichts Gutes ahnen ließen. Irgendwo zwischen Mannheim-Feudenheim und Heddesheim muss dann tatsächlich die Wettergrenze gewesen sein: DSC_0672Auf der Mannheimer Seite war die Straße trocken, auf der Heddesheimer Seite stand zentimeterhoch das Wasser. Je weiter ich Richtung Bergstraße kam, desto finsterer wurde es. Mein Sohn auf dem Beifahrersitz begann, mit dem Handy das Geschehen draußen zu filmen – so enstanden diese Stormchaser-Blitzaufnahmen. Tragisch: Dass wir sie bei RNF am nächsten Tag brauchen würden, um einen Beitrag über den Tod eines Menschen mit authentischen Bildern zu belegen – das konnten wir da noch nicht ahnen.

Mars-Anzug im Kompostwerk

August 1st, 2009

Über Twitter hingen die Duftwolken am Donnerstag ja bereits, als ich mich aus dem Kompostwerk als Stinke-Iltis outete. Jetzt hat ein sehr netter Kollege, der vom selben Event Fotos zu schießen hatte, mir ein paar Bilder zukommen lassen, die er von unserem Dreh eingefangen hat. Nur soviel: Es stank fünfmal mehr, als es auf den Bildern den Anschein macht. Und die Mars-Anzüge (nee, “Maß-Anzüge” waren’s nicht – Einheitsgröße…) halfen da auch nicht sehr, den süßlichen Duft verwesender Äpfel, fauler Eier und modernden Gemüses fernzuhalten. Immerhin: So ein Kompostwerk mal von innen zu sehen, das hat man auch nicht oft; aber ganz ehrlich: Ich bräuchte es nicht alle Tage. Hingehen, drehen und am nächsten Tag wieder was anderes machen – das geht ok. Da dusche ich mir dann auch gerne mal ‘ne halbe Stunde den Biostaub aus den Poren. Aber so wie die Jungs dort jeden Tag im Müll unserer Biotonnen zu waten – wäre nix für mich, gebe ich offen zu. Respekt vor der Arbeit im Kompostwerk, ehrlich!

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