Mannheim
Jeden Mittag gegen 12 Uhr bekomme ich Hunger. Und dann ist die Frage nicht: “Worauf hab ich Lust?”, sondern: “Was gibt’s in der Kantine?” Und meistens gibt’s dort dann auch etwas, das mir zusagt. Mit dem ich mich anfreunden kann. Das genießbar ist. Das meine Lust auf Kalorienzufuhr befriedigt. Ja – der Leser merkt: In dieser Aufzählung steckt eine qualitative Abstufung. Denn nicht immer ist das Kantinenessen ein Hochgenuss. Aber wenn es das nicht ist, dann sättigt es. Immerhin.
Ich selbst bin nach sechs oder sieben Jahren als Dauergast in der Kantine den “Mannheimer Morgen” wohl etwas betriebsblind. Aber Gäste, die nicht so oft dort zu speisen pflegen, sind doch immer wieder nachgerade begeistert von dem Angebot des von Eurest geführten Betriebes. Für “externe” Gäste (zu denen ich mich als Nicht-Mitarbeiter der Zeitung auch zähle) fallen für ein Hauptgericht mit 2 Beilagen immerhin 5,40 Euro an, zzgl. Getränk stehen regelmäßig damit regelmäßig 6,20 Euro zu Buche – das ist für eine Kantine happig. Dafür stehen aber auch immer drei Gerichte zur Auswahl, zwei konventionelle und ein “Aktionsgericht”; je nachdem, ob die Kantine chinesische, itlalienische, Vital- oder sonstige Wochen feiert. Manchmal gibt es Ausgefallenes: Hirsch, Wildschwein, Edelfische, Putenrollbraten; an anderen Tagen aber auch (wohl um des kalkulatorischen Ausgleichs Willen) sehr einfache Gerichte: Käsesspätzle, Spaghetti Bolognese – so etwas.
Wer sich nicht auf ein Hauptgericht einlassen will, kann sich von Beilagen ernähren: Nudeln, Reis, Kartoffelbrei, Kraut, Suppe – das alles gibt’s im steten Wechsel recht preiswert ab 0,80 Euro pro Portion. Geschmacklich ist das alles zumeist in Ordnung, echte Ausreißer nach oben und unten gibt es selten. Ok – eines vielleicht: Die Nudeln sind überproportional häufig verkocht und die Soßen vielleicht ein bissel fad, aber zumindest Letzteres lässt sich durch einen beherzten Griff zur Pfeffermühle ändern. Und nicht selten wird man durch kreative Ideen bei den Desserts wieder versöhnt.

Die Kantine des “MM” zeichnet sich durch ein nicht eben komplettes, aber ausreichendes Zusatzsortiment aus: Eis und Mohrenköpfe gehen wie die Hölle, Muffins und Donuts sind fein, die Kaffeestückchen verführerisch. Leider wurde die früher vorhandene, sensationell gute, aber wartungsintensive Kaffeemaschine durch einen gesichtslosen “selecta”-Automaten ersetzt – und so schmeckt der Kaffee jetzt auch.
Sei’s drum – wer sich im ernährungstechnisch recht unterentwickelten Gewerbegebiet “Wohlgelegen” am östlichen Rand des Stadtteils Neckarstadt bewegt, kann eine Nahrungsaufnahme in der Kantine des “MM” durchaus in Erwägung ziehen. Das Mobiliar ist – branchenüblich – nüchtern; zumindest aber strahlt der Parkettboden einen Hauch von konventioneller Gastronomie aus. In der näheren Umgebung findet sich die Kantine des “Duden”-Verlags (als Alternative empfehlenswert) sowie mehrere Imbiss-Restaurants, die sich rund um den Groß-Supermarkt “Marktkauf” geschart haben.
Wer richtig schön zu Mittag speisen will, fährt 5 Minuten mit dem Auto nach Feudenheim in die Gaststätte “Zum Neckartal”. Aber das wäre ein anderer Artikel.
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