Chinesische Weisheiten – Teil I: Willkommen im Club

January 18th, 2010 by ralph Leave a reply »

China ist anders. Und dann auch wieder nicht. Eine Woche war ich dort, habe eine Delegation der Stadt Mannheim begleitet, die ihre Partnerstädte Zhenjiang und Qingdao besuchte, um neue Projekte zu besprechen und die Freundschaft zu beleben. Das offizielle Geschehen habe ich mehrere Beiträge gepackt, die täglich im Rhein-Neckar Fernsehen gesendet wurden – ich habe sie vor Ort gedreht, geschnitten, vertextet und dann per FTP zum Sender übertragen. Von chinesischer Seite gab es da übrigens keinerlei Restriktionen. Ich konnte mich mit der Kamera völlig frei bewegen, Interviews führen, Fragen stellen; und auch die Übertragung nach Deutschland wurde nicht behindert. Im Gegenteil: Die Übertragungsraten lag konstant bei bis zu 4 Mbit/s – damit lässt sich schon was anfangen.

Abseits des offiziellen Programms hab’ ich einige Dinge erlebt, die sich besser bloggen lassen als dass sie sich zur journalistischen Berichterstattung eignen – die findet Ihr jetzt hier, in loser Folge, heute beginnend mit der Geschichte eines Club-Besuchs in Qingdao, einer früheren deutschen Kolonie, in der Deutsche auch heute noch mit großer Sympathie aufgenommen werden (Wikipedia-Link). Heute ist Qingdao eine Acht-Millionen-Metropole am Meer, zweitgrößter Seehafen des Landes, eine Flugstunde von Beijing entfernt, Wettkampfort der olympischen Segelwettbewerbe 2008. Eine Stadt im Aufwind, weltoffen, modern, prosperierend. Wer mit einer “klassischen” Vorstellung von China im Kopf hierher kommt, erlebt einen Kulturschock: Fahrräder gibt’s keine mehr, dafür um so mehr Porsche Cayenne und Audi Q7. Die Garküchen sind Pizza Hut, Starbuck’s und KFC gewichen, Lebensmittel werden hier bei Carrefour gekauft, Klamotten gibt’s in der globalisierten Shopping Mall. Wären nicht irgendwo dann doch chinesische Schriftzeichen, Downtown Qingdao könnte auch in den USA, Australien oder irgendwo in Europa stehen.

Die Skyline von Qingdao (zum Vergrößern klicken)

In Qingdao gibt es durchaus so etwas wie eine Oberschicht, die erklecklich viel Geld verdient; das Durchschittseinkommen liegt dennoch nur bei etwa 1800 RMB, also etwa mehr als 180 Euro – das reicht nicht für den “westlichen” Lebensstil, in dem die Preise nur geringfügig unter unseren in Deutschland liegen. Ein “Big Mac” etwa kommt auf umgerechnet 2,80 EUR – das ist, gemessen am Einkommen, teuer. Und doch steht Westliches hoch im Kurs.

Zum Beispiel die brandneue “Ye Chao Bar” im neuen Szeneviertel Qingdaos: Ein Club, der hierzulande für Furore sorgen könnte. Edelst eingerichtet, Kronleuchter an der Decke im Kontrast mit Scannern und einer Video-Wall, dazu eine Sound-Anlage, die keine Wünsche offen lässt. Eine reizvolle chinesisch-westliche Mélange, stilvoll, individuell. Alles super also. Auch die Musik-Auswahl des DJs hatte einiges für sich. Was ihn aber trieb, kurz vor Mitternacht ausgerechnet einen deutschen Song zu spielen, noch dazu diesen, das blieb sein Geheimnis:

Die Chinesen jedenfalls gingen dazu ab ohne Ende. Irgendwo eingebettet zwischen Lady Gaga und R’n'B waren die Zipfelbuben der Kracher dieser Nacht. Vielleicht, weil uns dieses Faktum die Lachtränen in die Augen trieb und wir so beste Laune an alle Umstehenden weiterreichten, lud uns der Besitzer des Clubs auf eine Flasche Schampus ein. She-she!

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