Es ist wahrscheinlich wieder einer dieser Tage. Man wird sich später fragen: “Weißt du noch wie es war? Der Tag, an dem Michael Jackson gestorben ist? Was hast du da gemacht? Wie hast du es erfahren?” Diese Energie hat dieser heutige Tag, unbestritten.
Ich für meinen Teil hätte die Dramatik der letzten Stunden Jackos (bzw. eigentlich ja die aktuelle Berichterstattung darüber) normalerweise eigentlich eher nicht mitbekommen. Ich saß vor der Glotze und zappte so rum. Schaute “Numb3rs”, eine Serie, die sonst auch nicht zu meiner TV-Routine gehört. Und danach dann, beim letzten Rush durchs audiovisuelle Angebot, blieb ich an der Tickerleiste von n-tv hängen: “Michael Jackson im Krankenhaus. Herzstillstand. Koma.” Das waren so die Schlagworte kurz vor Mitternacht. Ich zappte mich durch zu CNN, denn – sorry – bei n-tv oder N24 auf aktuelle Bilder oder eine Unterbrechung des Programms zu hoffen, habe ich aufgegeben. “Breaking News”, also: Programmunterbrecher, finden dort ja eher nicht mehr statt. Nur in der Tickerleiste eben. Weil’s halt gut klingt. Aber das nur nebenbei.
Bei CNN war’s dann so wie erwartet: Wolf Blitzer moderierte souverän die aktuellen Ereignisse herunter. Schaltungen, Telefon-Interviews. Und was bemerkenswert war: Selbst als RTL im Nachtjournal und die ARD im Nachtmagazin schon die ersten nachrufartigen Beiträge am Start hatten, hielt sich CNN die Hintertür offen: Jackson sei tot, sagten “LA Times” und NBC, aber: “CNN cannot confirm yet”, hieß es immer wieder. In diesen Minuten nicht der erste sein zu wollen, der die Todesnachricht heraus bläst und als erste Quelle genannt wird – dazu gehört schon was. Erst als ein Gerichtsmediziner, ein Augenzeuge, an der Strippe war und den Tod aus erster Hand bestätigte, meldete CNN: “Michael Jackson is dead”. Das war unserer Zeit um halb zwei in der Früh.
Ich ging ins Bett und stellte mir vor, wie unwirklich der Ruf aus dem Radiowecker am nächsten Morgen für Abertausende Frühaufsteher klingen müsste: “Der Popstar Michael Jackson ist tot. Er starb in der Nacht in Los Angeles nach einem Herzstillstand”. Die Dampframme zum Frühkaffee.
Beim Einschlafen kamen Gefühle hoch. Welche Ereignisse waren vergleichbar? Ja klar – Elvis. Im August 1977 war ich zarte fünf. Und doch sehe ich mich in der Küche meiner Eltern auf der Eckbank und ich höre die Meldung im Radio. Ich sehe das betroffene Gesicht meiner Mutter. Ich höre sie telefonieren. Ich fühle das Entsetzen. All dies gehört zu meinen frühesten Erinnerungen.
Heute muss ich an einen Blogeintrag von Picki denken, die im vergangenen Jahr schon über diese “Historischen Tage” geschrieben hat. Der Anlass war ungleich angenehmer: Es ging um die Wahl Barack Obamas zum amerikanischen Präsidenten. Der dort ebenfalls erwähnte 11. September 2001 ist sicherlich der historischste aller historischen Tage der letzten Jahre; vielleicht sogar der einzige, der es mit der Ermordung JFKs aufnehmen kann. Zu 9/11 hatte ich eine grausame Angina. Fieber. Ich war krank geschrieben. Dennoch hatte ich einen Termin wahrzunehmen; eigentlich bescheuert, wie genau ich mich noch daran erinnere: Es ging um die Anprobe von Moderationsklamotten. Bevor ich mich auf den Weg machte, hatte mich eine Schlagzeilen-SMS erreicht: “Drama in New York. Flugzeug stürzt in World Trade Center.” n-tv zeigte (via CNN) live erste Bilder vom rauchenden Turm. Mein Termin drängte, ich also los, und in der Umkleidekabine erreichte mich die SMS meiner Familie: “Noch ein Flugzeug. Jetzt im zweiten Turm. Unglaublich.” Und wenig später: “Jetzt ist ein Turm eingestürzt.” Alles weitere für diesen Tag ist Monothematik.
Auch dieser Tag heute war nahezu monothematisch, wenn auch sicher nicht so weitreichend dramatisch wie 9/11. Dennoch: Auch wenn ich nicht zu den eingefleischten MJ-Fans gehöre und auch wenn ich nicht den Tränen nahe war: dieser Tag wird auf meiner internen Festplatte als “schreibgeschützt” eingestuft werden. Der Tag, an dem Michael Jackson starb.