Archive for April, 2009

Von Berlin in die Metropolregion

April 23rd, 2009

Die re:publica 09 im bewegten Bild bei RNF

Ich hatte ja schon über meine persönlichen Eindrücke auf der re:publica 09 geschrieben – was nun noch fehlte, war der Beitrag im Rhein-Neckar Fernsehen. Ich hatte mir vorgenommen, Blogger aus unserer Gegend zu finden, die eigens wegen des Bloggertreffens in die Hauptstadt fahren und sie zumindest ansatzweise zu porträtieren – dank Twitter ging diese Recherche relativ schnell. ;)

Ein Beitrag im Regionalsender mit Berlin als Hauptspielort ist natürlich eher ungewöhnlich, aber schließlich passte es dennoch: Da unser Sender zum Maimarkt in Mannheim seine noch recht jungen zwonulligen Aktvitäten im Internet auf breiter Ebene bekannt machen will, kam das Thema Blogs gerade recht. Anhand der beiden Blogger aus dem Rhein-Neckar-Dreieck (die wir in unserem RNF-Blogpost natürlich auch verlinkt haben) konnte ich das Thema so aufbereiten, dass via TV nun auch solche Menschen etwas über Interaktivität im Netz erfahren haben, die nicht täglich mit den bekannten Instrumenten umgehen.

Der folgende Beitrag ist im Original im RNF-Video-Portal zu sehen und ging am 23. April in RNF Life über den Sender.

Frage am Rande: Welche Nicknames habe ich da beim Dreh eigentlich eingefangen? @pickiHH, @50hz, @zoernert und @mc_o sind klar – und wen noch?

Warum in die Ferne schweifen…?

April 19th, 2009

An sonnigen Sonntagen ist der Vogel- und Tierpark Birkenheide ein beliebtes Ausflugsziel für junge Familien aus der gesamten Vorderpfalz: Die Kleinen sind stundenlang mit Tiere füttern und auf dem Spielplatz beschäftigt, das Bier für die Eltern in der angrenzenden Wirtschaft ist kühl und frisch – und: der Eintritt ist frei. Ideale Bedingungen also für noch einen Kurztrip raus aus der Stadt zum Abschluss unserer kleinen Urlaubswoche.


Größere Kartenansicht

Birkenheide liegt 13 Kilometer von Ludwigshafen in Richtung Bad Dürkheim entfernt – ein Katzensprung. Im Tierpark gibt es für ‘nen günstigen Euro pro Tüte Futter für Zicklein, Rehe und Ponys zu kaufen, wobei die Tiere an Tagen wie heute den Snack schon mal verweigern: Wenn die Städter in Hunderterscharen einfallen, ist das Bäuchlein halt irgendwann voll.

Regen – na und?

April 19th, 2009

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Was tun mit einem feinen freien Tag, wenn es Hunde und Katzen regnet? Am besten das tun, von dem man immer sagte: “Tja, da gehen wir mal hin, wenn’s regnet…” Zum Beispiel ins Auto- und Technik-Museum nach Sinsheim. Ich war zum letzten Mal vor gut 25 Jahren da. Die Erinnerung war schwammig und eben alles andere als aktuell. Immer wieder hatten wir in den vergangenen Jahren auch bei RNF über die spektakulären Neu-Erwerbungen der Familie Layher berichtet: Sie hatte eine ausgediente Concorde nach Sinsheim geholt sowie früher schon das russische Gegenstück, eine Tupolev. Im Lauf der Jahre ist das privat geführte Museum gewachsen – so sehr, dass man heute problemlos einen ganzen Tag dort verbringen kann. Highlights sind unter anderem die wertvolle Sammlungen von Automobilen der Marken Mercedes-Benz, Ferrari und amerikanischer Straßenkreuzer und die zahlreichen, spektakulär ausgestellten Flugzeuge.

Wer sich in der Region nicht so gut auskennt: Das Museum machte unter anderem deshalb Schlagzeilen, weil die rund ums Museum aufgepfahlten Flugzeuge auf der A6 so manchen Auffahrunfall von Schaulustigen provozierte. (Direkt gegenüber ist übrigens die Rhein-Neckar-Arena entstanden, in der 1899 Hoffenheim beheimatet ist – aber das wirklich nur nebenbei.)

Ebenfalls von der Familie Layher wird das Technik-Museum in Speyer mit einem ganz ähnlichen Konzept betrieben.  Es ist unter anderem mit einem leibhaftigen Jumbojet und einem russischen Buran-Raumgleiter ausgestattet. Aber das schauen wir uns dann an, wenn es das nächste Mal regnet. :-)

Wässrige Impressionen

April 16th, 2009

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Noch immer Osterferien, noch immer Aktivität: Weniger Sonne und kühlere Temperaturen machten das Sealife in Speyer zu einem attraktiven Ziel. Und zwar nicht nur für uns, sondern für mehrere hundert andere Osterurlauberaberzuhausegebliebene auch. Obwohl bereits 2003 eröffnet war ich noch nie in dem Aquarium gewesen und hatte eine ziemlich monströse Vorstellung von dem Bau am Rhein. Ehrlich gesagt: Der äußere Eindruck enttäuscht. Ein grauer Klotz von nun nicht sonderlich imposanten Ausmaßen. Hmm.

dsc_0245Dennoch Spannung vor dem Eintritt: Mehr als 3000 Tiere schwimmen laut Pressemappe in den 30 Becken umeinander, und die Arten sind zum Teil nicht mal von sehr weit hergeholt: Es gibt ein Becken, das den Rhein nachbildet und damit heimische Fischarten beherbergt, eines mit dem Namen Bodensee, einen Gebirgsbach. Die Stars der Ausstellung sind freilich ziemlich klein, ziemlich bunt und sehen ziemlich lustig aus (siehe oben) – klar: Die Clownfische. Seit “Findet Nemo” finden sich die Salzwasserwinzlinge unter Dauerbelagerung kleiner Menschenkinder – und zum Glück ist im Aquarium die ganze Familie zusammen. Nemo ist da – puh.

dsc_0238Eindrucksvoll ist in jedem Fall auch die “Tropische Lagune der Haie”, durch die der gläserne Unterwassertunnel führt – obwohl ich mir den Durchgang nach Erzählungen größer und noch imposanter vorgestellt hatte. Trotzdem ist ein Erlebnis, wenn Schwarzspitzen-, Ammen-, Zebra- und Katzenhaie nur wenige Zentimeter entfernt und nur durch eine Scheibe getrennt vorbei geschwommen kommen. Bei Sealife darf nur ohne Blitz fotografiert werden – verständlich bei mehreren tausend neugierigen Besuchern pro Tag – deshalb leiden Bilder wie auch Video unter Lichtarmut; denn in allen Ausstellungsräumen ist es recht dunkel. Trotzdem mal ein kleiner Eindruck in bewegten Bildern von den vorbeiziehenden Haien…

Absolut faszinierend ist auch die Sonderausstellung “Quallen – Geister der Meere” – im wahrsten Wortsinn “fadenscheinige” Wesen.

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Mehr Eindrücke aus dem Sealife in Speyer (u.a. mit einem Seepferdchen und einem Grinserochen) in der Slideshow – in die sich auch noch zwei Sehenswürdigkeiten der historisch bedeutsamen Stadt am Rhein hinein gemogelt haben.

Schönwetter-Bloggen

April 16th, 2009

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Und weiter geht’s mit den post-österlichen Freizeiteindrücken: Das feine Wetter im Delta in Verbindung mit einigen übrig gebliebenen Urlaubstagen hat uns vor die Tür getrieben, genauer auf die Burg Berwartstein in die Südpfalz und ins von dort mal gerade 16 Kilometer entfernte Wissembourg (bzw. Weißenburg) im Elsaß – eine wunderschöne Tagestour für Erwachsene wie Kinder gleichermaßen, von der Homebase nur etwa eine Autostunde entfernt. Diese Woche ist echtes Schönwetter- und Urlaubsbloggen.

Blühende Explosion

April 13th, 2009

Ah heah – des hot jo so explodiert… vun eewe uff awwel!

Wie wahr. So sprach es am Mittag des Ostersonntags eine Kirchgängerin zu ihrer Freundin auf der Gasse vor unserem Haus – und sie meinte damit: “Die Natur ist ja regelrecht explodiert in den vergangenen Tagen. Von jetzt auf nachher. Alles blüht – es ist eine wahre Pracht!”

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Heute und zu Ostern also mal was richtig Banales im Blog: Einfach nur ein bisschen Schwelgen über das Blühen der Natur. Tatsächlich sind nach dem langen Winter hier an der Bergstraße die Pflanzen ausgebrochen als hätten sie sich synchronisiert. Alle gleichzeitig, wie abgesprochen. Innerhalb weniger Tage gab es dieses Meer von Farben – so sehr wie in diesem Jahr kurz vor Ostern ist mir das noch nie aufgefallen.

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Auch so ein “Ausbruchskandidat” ist übrigens die Kiwi an unserem Haus. Ja, an der Bergstraße wachsen Kiwis. Und zwar nicht wenige. Ich hab’ ja schon immer mal ein paar Fotos darüber verloren, meistens von der Ernte, wenn wir hier mehr als 400 Früchte eingefahren haben. In diesem Jahr habe ich mal früher dran gedacht und auf den Auslöser gedrückt – sozusagen mit dem Aufspringen der ersten Knospe. Zwischen den beiden folgenden Bildern liegt mal grade eine Woche. Bei Temperaturen um die 22 Grad ist es als könne man der Pflanze beim Wachsen nachgerade zusehen.

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Als nächstes wird die Kiwi beginnen zu blühen, Myriaden von Bienen und Hummeln werden sie (hoffentlich) bevölkern – und dann beginnt im wahrsten Wortsinn das “Blümchen- und Bienchen-Spiel”. Ob das dann auch was mit den “Frühlingsgefühlen” zu tun hat?

Egal – genießt dieses herrliche, leuchtende Frühjahr. Das waren wieder einmal diese Momente, in denen ich mich geärgert habe, keine “richtige” Knipse zu haben.

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Mist. Bloggeburtstag verpennt.

April 11th, 2009

Ja sowas. Am 29. März hat dieses Blog Geburtstag gehabt. Seinen ersten. In der Vorbereitung um die re:publica 09 hab’ ich das doch glatt verpennt. Naja, wurscht. Ich gratuliere mir – selbstreferenziell – dennoch nachträglich und will nur ein ganz kurzes Zwischenfazit ziehen: Das war ein seeehr lustiges und lehrreiches Jahr. Ich hatte ja früher schon so einige Blogversuche gestartet, dann wieder den Faden verloren und mich immer gefragt: Warum mache ich sowas eigentlich? Erst mit WordPress und der Verbindung zu Twitter und der übrigen Blogosphäre sowie der überhaupt inzwischen gewachsenen Wahrnehmung von Blogs hat mir es angefangen richtig Spaß zu machen, wieder mal ein Blog zu pflegen.

Eine Erfahrung, die ich dabei gemacht habe: Ich gehe mich anderen, offeneren Augen durch die Welt. Mehrmals am Tag stelle ich mir die Frage: War an diesem Tag irgendetwas Bloggenswertes? Etwas, das auch andere Menschen interessieren könnte? Hab ich also etwas Wertvolles erlebt? Und so lasse ich den Tag Revue passieren – was ich früher so bewusst nicht getan habe. Nicht selten sind Ereignisse einfach zu privat, als dass ich sie ins Netz hinausblasen wollte, klar. Aber die ein oder andere Ankedote war ja schon dabei, die sich einfach hübsch erzählen ließ. Noch dazu hat mich die Bloggerei als interessierten Laien in Sachen IT eine ganze Ecke weitergebracht. Über Twitter und die dadurch kennengelernten Tools für WordPress & Co. bin ich doch nochmal ein bisschen fitter im Umgang mit der Materie geworden; deshalb sehen die Seitenleisten immer wieder unterschiedlich aus. Wobei ich eine Entwicklung durchmache, die wohl einige von Euch kennen: Nach einer Phase, in der ich jedes Widget ausprobiert habe, kommt nun so ein bisschen die Rückbesinnung auf die Basics und die Frage: Was braucht man denn nun wirklich im Blog? Im Moment sieht es im Vergleich zu den ersten Wochen echt schon aufgeräumt aus – Blog-Feng-Shui, sozusagen. Ich wurschtel halt dran rum, sobald mal ein bisschen Zeit ist. Mal sehen, wo ich zum 2. Bloggeburtstag stehe. Im Moment fühlt es sich so an, als würde ich eher aktiver denn passiver.

Und last, but not least: eine Menge interessanter Menschen hab’ ich “kennengelernt” unter den Bloggern, viele Meinungen, viel Fachwissen, und durch den den Besuch der re:publica nicht nur virtuell, sondern nun sogar zum Teil im richtigen Leben. Und in der realen Sozialisierung hat Bloggen dann schon wieder einen Wert mehr für sich.

Unvermeidlich: re:publica 09

April 7th, 2009

Wenig Handfestes, etwas Greifbares, viel Wertvolles – meine Premiere auf der Blogger-Konferenz

Inzwischen haben sie sich gesetzt, die Eindrücke aus der Kalkscheune und dem Friedrichstadtpalast. Ich will Euch nicht mit der x-ten “re:view” langweilen – andere haben das alles längst niedergeschrieben und ihren berufenen Senf dazu gegeben. Eine Weile hab’ ich überlegt, ob ich überhaupt noch was über die re:publica schreiben soll – aber hey… eine Bloggerkonferenz besuchen ohne einen Blogpost abzusetzen – wo kämen wir denn da hin?!?

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Ich war ja irgendwie mit zwei Hüten da: In erster Linie als Journalist (der Beitrag ist mangels Platz in der Sendung noch nicht on air gewesen), in zweiter Linie eben auch als Blogger. Wurde ja auch Zeit, dass ich mir “die Szene” mal anschaue. Und es passte irgendwie auch ganz gut zum 1. Geburtstag von deltanews.de.  Mir ging es da offenbar wie vielen “Artgenossen”: Man will die Leute hinter den Nicknames auf Twitter und die Leute von der Blogroll einfach mal sehen, bestenfalls kennenlernen, ein bisschen schnacken und ein Gesicht zu den Tweets und Posts bekommen. Dieses Ziel hat sich für mich zu 100 Prozent erfüllt. Es waren a) jede Menge Online-Bekanntschaften da und b) sie waren identifizierbar. Meine Timeline wurde real. Was mich in der früher getroffenen Annahme bestärkt hat, dass viele Blogger und Twitterer sich von anderen Spezies im Web unterscheiden, die ihre Persönlichkeit verschleiern und komplett anonymisieren. Das war der Grund, weswegen ich mich früher von Foren fernhielt, in denen man sich zum Freiwild für Trolle machte. In der Blogosphäre stehen letzten Endes dann doch “reale” Menschen hinter der Meinung – das macht das Mitmachweb sympathisch und straft in meinen Augen diejenigen Stimmen Lügen, die Web-Zwo-Nullies als Tasten tippende, sozial verhärmte, nachtaktive Monster sehen. Ich habe in Berlin eine aktive, sozial kompetente, intelligente (ok, ich lass langsam gut sein…) lustige Masse Mensch getroffen.

Irgendwann erreichten mich DMs, ob ich in der Spree versoffen sei. Das viele Real-Life-Geschnacke führte dazu, dass ich ausgerechnet auf der re:publica so offline war wie lange nicht… Wie absurd ist das denn? Zumal es nicht mit dem fehlenden W-LAN zusammen hing oder einer iPhone-geplagten, überlasteten T-Mobile-Zelle (ich hab ja Vodafone ;-) ). Nee, ich hab’ einfach nur mit Menschen geredet. Die ganze Chose war schlichtweg kurzweilig, kommunikativ, lustig. Face to Face. Und die Themen gingen nicht aus. Wie auch das Schaf schrieb:

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Und darum ging’s ja nun. Soviel zum Wertvollen.

Zum Greifbaren: der Poken. Man! What a hype! Herrlich. Ich hab selten so viel Spaß mit einem USB-Stick gehabt. Erwachsene, durchaus ernstzunehmende Menschen, tragen einen Pandabären, Biene Maja oder den Voodoo-Typen um den Hals und freuen sich, wenn beim “High Four” ein grünes Lichterl leuchtet. Mal im Ernst: Der Poken als elektronische Visitenkarte zum Connecten in allen möglichen Netzwerken war eine Innovation auf der re:publica – in einer Nacht- und Nebelaktion aus den Niederlanden importiert, halboffiziell in der Kalkscheune vercheckt – ein Live-Meme mit Spaßfaktor. Feines Spielzeug der early adopters. Klasse.

Was mir nur fehlte, war das Handfeste, die News. Der Hint auf das nächste “Big Thing”. Ich hörte in den Panels Vieles zur Selbstpositionierung der Blogbranche. Das, was anderswo als Orientierungslosigkeit oder Stagnation gewertet wurde. Nun ja – nach Jahren rasender Entwicklung darf man sich ja durchaus mal die ein oder andere Sinnfrage stellen. Ist ja ok, solange die Zunft am Ende nicht in kollektiver Depression versinkt.

Was ich nicht ganz verstehe, das möchte ich an dieser Stelle mal anmerken, ist die Stellenwertdiskussion um Blogs und Journalismus. Manchmal erscheint es mir, als wollten die größten Verfechter der Freiheit im Netz den Journalismus niederschreiben. Warum eigentlich? Ich bin der Diskussion um Medienwandel mit gemischten Gefühlen gefolgt.

Warum finden einzelne Blogs nicht die Akzeptanz und das Gewicht wie “etablierte” Medien und gegebenenfalls ihre Online-Portale? Ich glaube, die Antworten liegen näher, als man gemeinhin denkt: Etablierte Redaktionen bieten ein breites Portfolio an Information und sie haben an sich selbst den Anspruch, in den selbst gewählten Themenfelder das “relevant set” an Themen möglichst vollständig und gewichtet abzubilden. Zum Filtern, Aufbereiten und Gewichten der Information braucht es Manpower, also Menschen. Sie agieren als Organisation – das ist die Redaktion. Wobei zum Job des Redakteurs eben auch mal gehört, dass er sich mit Dingen beschäftigt, die ihn nicht so sehr interessieren und die ihm nicht so liegen. Und er wird dennoch versuchen, sie auf das Relevante zu aggregieren, objektiv aufzubereiten, und sich dann eine gegebenfalls in einem Kommentar oder einem Leitartkel eine Meinung zu bilden. Das bedeutet für den User oder Leser kurze Wege und wenig Aufwand: Sein Bedarf an Information wird gestillt, er hat einen Überblick über das Weltgeschehen. Die Usability eines Nachrichtenportals als einer einzigen Quelle ist unschlagbar.

Bei Blogs sieht das doch ein bisschen anders aus. Davon mal abgesehen, dass ich als User viel Zeit investieren muss, um meinen Reader qualifiziert zu füllen. In Blogs herrscht Meinung vor, die oftmals bereits auf Sekundärquellen beruht. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Viele in der Blogosphäre sind Einzelkämpfer und beackern Spezialthemen. Oft in der Freizeit, sehr idealistisch, unbezahlt. Ich habe dort viel Qualität gelesen, Ernsthaftes, Lustiges, Bedenkenswertes. Und meine Orientierungsphase diesbezüglich ist noch lange nicht abgeschlossen. Aber die gesammelte Information, die ich als User bekomme und in meinem Feedreader finde, ist nunmal weitestgehend unstrukturiert, nahezu willkürlich, viele Bereiche des Lebens finden gar keine Beachtung. Oder ist klar einer Interessenseite zuzuordnen und braucht eine entsprechende Quellenkritik. Jedenfalls ist dieser Mix nicht so, dass ich von heute auf morgen die Information von professionellen Redaktionen (egal ob Zeitung, Radio, Fernsehen oder Online-Portal, je nach Zugangsmöglichkeit) damit substituieren würde ohne in der Angst zu leben, die nächste Bundestagswahl zu verpassen.

Nun könnten Blogger sich zusammen tun und sagen: “Ok, wir liefern ein Vollsortiment. Wir decken die relevanten Themen ab, so dass ein Leser sich gut informiert fühlt und bei uns liest. Wir schaffen Objektivität. Wir haben eine Meinung. Wir machen ein unabhängiges Blogportal.” Was am Ende rauskäme, davon bin ich überzeugt, wäre nicht weit von den bekannten Nachrichtenportalen entfernt. Es würde bedeuten, dass die Blogger sich redaktionell organisieren (müssen), virtuell oder tatsächlich. Das ist dann bald auch nicht mehr in der Freizeit zu stemmen, man geht ja eine Verpflichtung gegenüber seinen Lesern ein hinsichtlich Quantität, Qualität und Konstanz… das Portal wird vermarktet… Werbung… und der ganze Rattenschwanz. Mit der Diskussion: Was wollen wir den Usern bieten? Wer beackert welches Thema? Welches Thema lassen wir weg? Welche Stellung beziehen wir zu diesem oder jenem Thema? Also ist es am Ende dann doch wieder Journalismus. Die Grenzen verwischen. Das tun sie eh schon. Und ich finde es ok.

Dagegen finde ich es ziemlichen Kappes, Journalisten per se als das Feindbild der Blogosphäre aufzubauen, wie ich es auch habe anklingen hören. Sicherlich gibt es Populisten in der Zunft. Themenfilter. Kampagnenmacher. Sie stehen dann auch im Kreuzfeuer der Blogs. Zurecht. Wobei Blogger da ihrerseits sehr selektiv sind und gleich nach ganz oben ins Regal greifen. Welcher Blogger kümmert sich in der Medienkritik beispielsweise um die Heerscharen von Lokal- und Regionaljournalisten oder setzt sich selbst mal in eine Gemeinderatssitzung auf dem Dorf und verbreitet Information und Meinung darüber? Liest hunderte Mails regionaler Polizeistationen, filtert, wählt aus. Wühlt sich durch Pressemitteilungen von Ortsvereinen. Laaaangweilig. Stimmt – das ist hartes Brot und brächte erstmal nicht viele Klicks. Ist aber auch Arbeit von Journalisten. Und aus dieser Arbeit entstehen oft erst die Geschichten, die dann in den großen Portalen landen. Es sind die Puzzlestückchen, die das große Ganze formen. Journalismus ist aktives Netzwerken auf breiter Basis mit Presseagenturen als Mittler. Blogger werfen Journalisten zuweilen vor auf einem hohen Ross zu sitzen, weil sie sich als die wahren “Hüter der Information” wähnen. Naja – lässt man den Pathos mal weg, dann ist Vieles im Journalismus Routine-Arbeit, Handwerk, Zeug, das weggeschafft wird. Nicht in jeder 60-Zeilen-Meldung auf Seite 3 steckt potenziell ein Pulitzer-Preis und nicht jeder 30-Sekünder ist ein Quotenbringer.

Mal sehen. Wir sind ja mittendrin im Wandel. Mit einer wachsenden Online-Bevölkerung finden sich wahrscheinlich auch immer weitere Spielarten des Bloggens, etwa regionale oder spartenorientierte Bloggernetzwerke. Varianten, die heute noch nicht so verbreitet sind, jedenfalls nicht flächendeckend. Und darüber wird sich auch die Wahrnehmung unter den Lesern verändern, von denen viele heute noch “Blog” mit “öffentlichem Fotoalbum” gleichsetzen. Eine Diskussion darüber finde ich wichtig, nicht nur online, sondern face-to-face. Dafür ist die re:publica ein perfektes Forum – daher zum Ende einfach nochmal ein Dank an Johnny Häusler et al. – Gut gemacht!