“De Handetasche muss leben.”
Bruce Darnell hat’s bei GNTM gesagt, und seither werden Handtaschen in Deutschland tamagochiartig gehegt, gepflegt, gefüttert und gewienert. Sie sollen, dürfen niemals nicht im Siechtum dahinsterben.
Vielleicht hat Ralf Rangnick diese übertriebene Form der Fürsorge gemeint, als er der Rhein-Neckar-Zeitung in den Block fauchte:
“Über Wochen und Monate haben meine Spieler gelesen, wie gut sie sind. Sie wurden wie Pop-Stars behandelt, als Models abgelichtet, die Handtaschen der Freundin waren wichtiger als der Fußball.”
Jetzt sind also die Handtaschen schuld. Nun – es ist zu beobachten, dass man dünnhäutiger wird in Hoffenheim. Das 1:4 gegen Bayer Leverkusen bedeutete zwar nicht den Weltuntergang, dafür aber endgültig die Ankunft in der Realität.
Traumfußball ist nicht mehr. Es ist Alltag im Kraichgau.
Grau und schmuddelig, wie der Winter in der Metropolregion. Dafür spricht auch, dass sich nach der ersten Heimniederlage in der Rhein-Neckar-Arena Spieler wie Trainer von Fernsehkameras fern hielten, Journalisten vor die Tür komplimentiert wurden, zugesagte Interviewtermine mit einem Mal wieder in Frage standen. Die Leichtläufigkeit hatte Urlaub.
Jetzt muss sich zeigen, wie krisenfest das Hoffenheimer Konzept ist, wenn die Luft mal ein wenig dünner wird. Souveränität zeigt sich vor allem dann, wenn die Zeiten schwerer werden. Und da hat 1899 ja seine Stärken, daran erinnert sich auch Rangnick, “als wir Vorletzter in der Regionalliga waren oder in der letzten Runde schwach in die 2. Bundesliga gestartet sind.” Indes, Rangnick sagt es selbst: Ehedem ging es um Regional- und Zweite Liga. Und heute? Heute geht es um nicht weniger als ein deutsches Fußballmärchen. Darum, den Spitzenplatz zurück zu erobern und am Ende Geschichte zu schreiben, darum, einen Traum wahr werden zu lassen – auch wenn das keiner zugeben wird.
Zu Beginn des Höhenflugs war von “Klassenerhalt ist das Ziel” bzw. jüngst von “UEFA-Cup-Platz wäre fantastisch” die Rede – beides ist durchaus realistisch, und insofern ist die schlechte Laune vom Wochenende kaum nachvollziehbar. Eigentlich. Nun – die Geschichte wird weitergehen, die TSG wird sich ins Zeug werfen und am Ende sicherlich nicht als Pop-, sondern als Fußball-Team überzeugen. Zur alten Leichtfüßigkeit zurückfinden. Wieder weniger mit dem Kopf und mehr mit dem Herzen spielen. Ob vielleicht Bruce sie anfeuern sollte? – “Mehr Drama, Baby!”