Hatschi! – Hallo, Du neues Jahr!

Na, das kann ich ja leiden – da mache ich schon mal den ersten zweiten meiner guten Vorsätze wahr (ja, denn stoßgelüftet hatte ich bereits!), da bekomme ich ihn doch gleich wieder madig gemacht. Ich stehe also heute früh als Erster (was ein ansonsten ein Unmöglichkum ist!) vorm Tresen bei dem Friseur, bei dem man keinen Termin braucht (und deshalb normalerweise 45 Minuten wartet…), um aus dem Gewölle auf meinem Kopf wieder eine Frisur, die diese Bezeichnung verdient, machen zu lassen – und komme sofort dran.

Die junge Dame hinter dem Tresen kannte ich noch nicht, sie machte einen überschaubar lustvollen belustigten …also was ich sagen will: sie hatte keinen Bock zu arbeiten… Eindruck und wies mir den nächstbesten Sessel am Waschbecken zu. Haarewaschen, mir auf der Haube rumwühlen, in 20 Zentimeter Körperabstand an mir rumarbeiten – alles fein… bis es zu diesem Nasennebenhöhledurchpusten  gepaart mit einem tiefen Geröchel aus der Bronchie unten hinten links, das sich auf dem Weg durch die Lunge zu einem schleimigen Grollen emporbrodelte und in hallendem Kehlkopfpfeifen endete, kam. Ich: “Oh, Schnupfen?” Sie (bis dahin wortlos): “Nja. Ngeht seit swei Wochnn. Nnnschlimm. (Nase hochzieh) Nmit Ngliederschmzn und allem. N’und da: n’aufgesrprungene Libbn. Nhat beim Sekttrinken an Nsilvester ganz doll gebrannt. N’furchtbar…”

Soweit, so tragisch. Sie schneuzte seitlich weg – und wühlte weiter in meinen Haaren. Ich: “Ach. Und Sie wollten nicht vielleicht besser zu Hause geblieben sein?” Sie: “N’ach. Nnee. Da nwird nmir ndoch eh nnur nlangweilig. Nda nkann ich ndoch nauch hier nsein” (trompeeet).

Okeh. Hier sein und Kunden anstecken. Riesengeschichte. Nun bin ich nicht nur hyperaktiv, sondern auch hypochonder und habe mir sofort eine Krisenstrategie zurecht gelegt: Flach atmen, Fäuste hoch und wegducken – um den viralen Angriff der ersten Welle mechanisch abzuwehren. Geplante Phase 2: Schnell nach Hause und alles einwerfen, was irgendwie nach Medizin ausschaut. Vor allem diese lustigen, oft geschmähten und verniedlichten Homöopathie-Tropfen, auf denen steht: “Prophylaktisch gegen Viral-Erkrankungen. 3x täglich 10 Tropfen.” Her mit euch, Wunderzeug! Doch bis daheim war es zu diesem Zeitpunkt noch ein Weilchen…

Dennoch die berechtigte Frage: Müssen diese lebendigen Bazillenschleudern ihr Unwesen treiben? Mich verängstigen und ihren Rotz ihre Krankheitserreger in die Welt hinaustragen? Eine Pandemie auslösen? Die ohnehin kränkelnde Volkswirtschaft weiter schwächen.?

Das waren so meine Gedanken, als ich gedankenverloren am Bäcker-Tresen stand und ein 1000-Gramm-Roggenmischbrot bestellte. Als die Backwarenfachverkäuferin den Laib stolz in der nackten, plastikhandschuhbefreiten Hand hielt, fragte sie noch leise leidend: “Nwolln Sie’s ngeschniddn habm…?”

Sollte ich mich dieser Tage also fiebrig in einer Arztpraxis wiederfinden – dann hoffe ich zumindest auf eine solche Szene, die mir den Tag versüßen dürfte – wobei ich dann nur abbe Haare und kein abbes Bein hätte… Ansonsten: Ein frohes neues Jahr Euch allen *hust*!

  • Melchior_Lippisch

    Lustiger Beitrag zum neuen Jahr kann mir gut vorstellen wie das beim Frisör war…ihh-bei uns in frankreich gits dafür Fervex zur Abwehr -vermeidet Erkältung von vornherein.
    Dazu das video – perfekt…

  • http://kehrseite.de kehrseite

    und, noch gesund?
    Ist das die Aufnahme von gestern? :-)

  • http://deltanews.de kirscheplotzer

    Danke, der Nachfrage… *schneuz* Noch ist alles im Grünen… Bereich… ;-) // Nenee, die Aufnahme ist von irgendwann anders. Die von gestern hab ich mir noch nicht angeguckt :-D

  • Hausarzt

    hypochondrischer Pienser!

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