Archive for January, 2009

Kratzer im Lack

January 23rd, 2009

Bis vor etwa einem dreiviertel Jahr war ich begeisterter XINGer. Seither bin ich nur noch, sagen wir einmal, XINGer. Das Image des Unternehmens hat für mich nun doch Kratzer im Lack. Grund dafür sind einige merkwürdige Erfahrungen, die ich mit dem Support des Unternehmens gemacht habe.

Ich war bis vor kurzem erst Moderator, dann Co-Moderator des etwa 4.000 Mitglieder starken “Rhein-Neckar-Networks”. Anfang Mai vergangenen Jahres erhielt ich ein so genanntes “Ticket” (Mail-Subject: “[Ticket#2008050210009026] Ihre Moderation bei XING – Offizielle Verwarnung”) des Supports, das u.a. folgende Worte enthielt:

Sehr geehrter Herr Kühnl,

wegen Verstößen gegen den Code of Conduct für Moderatoren sprechen wir Ihnen eine offizielle Verwarnung aus.

Im Einzelnen handelt es sich um Verstöße gegen:

[...]
Wir fordern Sie auf, zukünftig bei der Moderation der Gruppe den Code of Conduct zu beherzigen. Sollten uns weitere Verstöße bekannt werden, müssten wir Ihre Moderation beenden.

Auf die Inhalte der beiden Verstöße möchte ich nur kurz eingehen.

Im ersten Fall wurde mir vorgeworfen, ich hätte per Newsletter Werbung für eine kommerzielle Veranstaltung gemacht. Dabei handelte es sich um eine Ankündigung für das von der Berufsakademie Mannheim (einer Hochschule) veranstaltete “Medien-Meeting Mannheim”, in denen es um das Web 2.0 und Communities ging. Selbst in unserer Regional-TV-Sendung “RNF Life” haben wir ein Studio-Gespräch mit einem redaktionellen Hinweis darauf gemacht; ich fand und finde eine solche Ankündigung im Gruppen-Newsletter – zumal, wenn sie die zielgruppenaffine Veranstaltung einer Non-Profit-Organisation betrifft und auch, wenn der Besuch eine Gebühr kostet – legitim.

Im zweiten Fall ging es um einen Newsletter, zu dessen hintergründiger Darstellung ich nun personenbezogene Daten heranziehen müsste, was ich nicht möchte. Nur soviel: Im Kern ging es darum, dass ein Mitglied der Gruppe aufgrund der Anschuldigung eines anderen (für das Moderatorenteam nicht namentlich bekannten Mitgliedes) vom Support disqualifiziert wurde, ohne dass ersteres Mitglied um eine Stellungnahme gebeten worden wäre. Die konkrete Anschuldigung wurde derweil vom Moderatorenteam recherchiert und konnte – mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – widerlegt werden. Konkrete Nachfragen beim Support zur Stichhaltigkeit des Vorwurfes wurden unterdessen nicht mit konkreten Indizien unterfüttert. Ich erhielt statt dessen die Antwort: “Was [Mitglied XXX] betrifft, können wir uns nicht gegenüber Dritten dazu äußern. Gerüchte waren nicht der Auslöser oder Grund für unser konsequentes Vorgehen.” In einem öffentlichen Newsletter forderte ich vom Support die Beachtung der allgemeinen Regeln der Fairness und insbesondere des Grundsatzes: “Im Zweifel für den Angeklagten” ein – wofür ich verwarnt wurde. Später wurde ich gebeten, den entsprechenden Newsletter (er sei “potentiell geschäftsschädigend”) zu löschen.

Ich halte es – auch vom konkreten Fall abgesehen – für bedenklich, dass auf Grund eines für die Moderation anonymen, damit nicht nachvollziehbaren und mutmaßlich sogar falschen Hinweises beim Support andere Mitglieder ohne Veto-Möglichkeit der eigentlichen Gruppen-Moderation öffentlich bloß gestellt werden können und mit einem Mal fragwürdig erscheinen. Der Support ist sich über die Verantwortung und Tragweite seines Handels offenbar nicht bewusst.

Worum es mir aber in der Hauptsache geht, ist die Art und Weise des Support-Prozesses. Halten wir fest:

  • XING hat einen “Code of Conduct” ins Leben gerufen, eine Art “Gesetz für Moderatoren”, dem ich mich implizit unterworfen habe. Explizit habe ich es nicht, denn als ich als zusätzlicher Moderator eingeladen wurde, musste ich diesen “Code of Conduct” nicht durch Klick bestätigen. Faktisch wusste ich nicht, dass er existiert, als ich eingeladen wurde, Moderator der Gruppe zu werden.
  • XING hat eine Verfehlung festgestellt.
  • XING hat mir eine offizielle Verwarnung erteilt mit Androhung der “Amtsenthebung”. (Ich werte das als Strafe auf Bewährung.)
  • XING hat mir nicht die Möglichkeit gegeben, mich zu den Vorwürfen zu äußern, Stellung zu beziehen oder zu verteidigen.

Überspitzt ausgedrückt: In den Gruppen und Foren hebt XING die Gewaltenteilung auf und belegt Legislative, Judikative und Exekutive gleichermaßen. Es gibt (zumindest nicht für mich ersichtlich) keine Instanz, die die Aktivitäten des Supports überwacht oder neutral beurteilt. Man mag sagen: Es ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, da gelten nun mal andere Gesetze. Dennoch: Wir reden hier vom Quasi-Standard der virtuellen Business-Netzwerkerei und einem seriösen Vorbild der Community-Szene. In einem langen Mailverkehr habe ich dennoch versucht, mich auf der Sachebene mit den Supportern auseinander zu setzen, um Anrufe gebeten, um eine Möglichkeit gebeten, meine Standpunkte zu rechtfertigen. Mal stockte der Mailverkehr komplett, mal wurden nachweislich Tatsachen über den bisherigen Kommunikationsverlauf verdreht, aber nie ging man im Kern inhaltlich auf meine Fragen und Vorschläge ein. Die Argumentationslinien der Support-Dame waren in meinem Empfinden zuweilen doch sehr konfus.

Ich hatte während des Mailverkehrs u.a. auch angemerkt, dass ich

  1. zahlender Kunde des Unternehmens sei und und insofern etwas mehr Kundenorientierung erwarte als ein “Verwarnungs-Ticket” wie vom Ordnungsamt zugestellt zu bekommen (BTW: Bei jedem Strafzettel HABE ich die Chance, Einspruch zu erheben!) und
  2. als Moderator einer Gruppe mit 4.000 Mitgliedern nicht eben wenig Zeit investiere und damit die Attraktivität und Kundenbindung der Netzwerkplattform des Unternehmens XING freiwillig und unentgeltlich steigere und daher zumindest etwas Rückendeckung und Anerkennung für die Arbeit erwartet hätte – nicht aber, aufgrund einer sehr strittigen Ausgangslage ultimativ in den Senkel gestellt zu werden.

Unterdessen war der Haupt-Moderator der Gruppe bereits vom Support abgesetzt worden, und es gab nur noch zwei nun herabgestufte Co-Moderatoren, was in der Gruppe weitere Verwirrung stiftete, die sich in Threads wie “Nur Co-Moderatoren – wo ist der Chef?” ausdrückte. Wir als (neue) Co-Moderatoren konnten den Gruppenmitgliedern keine Antwort auf die Frage geben, warum der Hauptmoderator inaktiv geschaltet wurde, weil wir vorab von dieser Aktion nicht in Kenntnis gesetzt worden waren. Es war also eine, wenn man so will, Nacht-und-Nebel-Aktion des XING-Supports. Zumindest wurden wir als Moderatoren erst von Gruppenmitgliedern, die vor uns ins Forum geklickt und sie bemerkt hatten, auf die neue Moderatorenverteilung aufmerksam gemacht. Eine Mail des Supports zu diesem Vorgehen gab nicht. Die Gruppe hatte also nur noch zwei Co-Moderatoren und keinen Moderator mehr, was schon ein komisches Bild abgab. Auf Nachfragen an den Support, wie es nun weitergehen würde, gab es zunächst keine Antwort. In meiner Frage, ob ich bitte wieder als Hauptmoderator freigeschaltet würde (nachdem ich monatelang meine Bewährung bestanden hatte und zudem allen Bitten und Forderungen des Supports nachgekommen war, d.h. Artikel und Newsletter gelöscht und mich entschuldigt (!) hatte – ja, auch das war eine Bitte des Supports – sowie meine Verärgerung über den Verlauf des Support-Prozesses nicht mehr öffentlich gemacht hatte), wurde ich hingehalten – bis zu dieser Woche.

Da wurde mir mitgeteilt, dass man nach intensiven Überlegungen zu dem Entschluss gelangt sei, ein – Zitat – “komplett neues” Moderatorenteam zusammen zu stellen. Wörtlich: “Dazu werden wir in den nächsten Tagen vorübergehend selbst die Moderation übernehmen und gleichzeitig eine Moderatorensuche starten. Wir würden uns freuen wenn auch Sie sich für das neue Moderatorenteam bewerben.”

Den letzten Punkt habe ich mit Verweis auf die sehr zähen letzten Monate dankend abgelehnt; ich will aber der Fairness halber nicht verschweigen, dass mir zumindest die Möglichkeit eröffnet wurde, wieder an der Moderation teilzunehmen.

Allerdings, schauen wir nochmal nach weiter oben auf den Wortlaut des ursprünglichen Verwarnungstickets. Da steht: “Sollten uns weitere Verstöße bekannt werden, müssten wir Ihre Moderation beenden.”

Nach meinem Kenntnisstand wurden in mehr als einem halben Jahr keine weiteren Verstöße bekannt, dennoch soll nun ein neues Moderatorenteam zusammengestellt werden (für das ich mich zwar neu bewerben darf; m.E. gibt es aber doch einen Bruch in der Kontinuität und insbesondere einen ungewissen Ausgang, dafür steht ja das Wort “Bewerbung”) mit vorübergehender Moderation durch XING selbst? Sehe ich das falsch, oder greift hier Willkür Platz?

In meiner letzten Mail an den Support habe ich angekündigt, dass ich recherchieren wollte, wem Ähnliches passiert sei – was ich hiermit tue: Wer hat auf die ein oder andere Weise auch seine Gruppe “verloren” oder eine “Geschichte” mit XING erlebt? Mail bitte an mich: info (at) deltanews (dot) de.

Ich frage mich eben, ob es da eine Motivation gibt und wie häufig so etwas vorkommt. Mag sein, dass mein Fall ein Einzelfall war und einfach die Chemie zwischen meiner betreuenden Supporterin und mir nicht gestimmt hat. Dann ärgere ich mich eben noch ein bisschen über XING und die Sache hat sich erledigt. Auf meine Mail hin, dass ich die Gruppe nach den bisherigen Erfahrungen nicht mehr moderieren möchte und mich meiner Loyalität gegenüber XING entbunden sehe und statt dessen in der Sache recherchieren möchte, schrieb mir der Support übrigens u.a.: “Wir bedauern das [sic!] sie dies so sehen, wir hätten es gerne gesehen, wenn Sie weiter für die Moderation zur Verfügung gestanden hätten.” Komisch. Das hätten sie doch auch viel früher und vor allem stressfreier für alle Beteiligten haben können. Ich hatte es ja immer wieder angeboten und mehrfach meine Aufschaltung als voll berechtigter Moderator der Gruppe gefordert.

Ich für meinen Teil ziehe jedenfalls den Schluss, dass ich mich der – wenn vielleicht auch nur subjektiv empfundenen – Willkür des Unternehmens nicht mehr aussetzen möchte und ziehe mich deshalb aus “virtuellen Öffentlichkeit” bei XING zurück. Allein die Tatsache, dass heute eine nicht mit mir oder meiner Ex-Co-Moderatorin abgestimmte Mail zur neuen Moderatorensuche an alle Mitglieder versandt wurde, die alle Fragen über die Gründe des Moderatorenwechsels offen lässt und damit Raum für Spekulationen auch über meine Person gibt, hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Ich halte das für nachgerade unprofessionell und eines börsennotierten Unternehmens, eines Marktführers nicht würdig.

Was bleibt: Die Arbeit in der Gruppe hat mir Spaß gemacht und ich hätte sie gerne unter anderen Rahmenbedingungen fortgeführt.

Edit (24.01.09, 15:30 Uhr): Ich habe inzwischen eine Mail mit einem Fragenkatalog zum Support-Prozess des Unternehmens an die Pressestelle von XING mit der Bitte um Stellungnahme geschickt.

Edit (26.01.09, 13:15 Uhr): In einem Telefonat hat sich die Teamleiterin des Supports für den unglücklichen Verlauf der letzten Monate bei mir entschuldigt. Das Telefonat hat einige meiner konkreten Fragen klären können. XINGs Corporate Communications hat per Mail ebenfalls umgehend Kontakt aufgenommen.

Qype: “Mannheimer Morgen”-Kantine in Mannheim

January 5th, 2009

Mannheim

pic-0560Jeden Mittag gegen 12 Uhr bekomme ich Hunger. Und dann ist die Frage nicht: “Worauf hab ich Lust?”, sondern: “Was gibt’s in der Kantine?” Und meistens gibt’s dort dann auch etwas, das mir zusagt. Mit dem ich mich anfreunden kann. Das genießbar ist. Das meine Lust auf Kalorienzufuhr befriedigt. Ja – der Leser merkt: In dieser Aufzählung steckt eine qualitative Abstufung. Denn nicht immer ist das Kantinenessen ein Hochgenuss. Aber wenn es das nicht ist, dann sättigt es. Immerhin.

Ich selbst bin nach sechs oder sieben Jahren als Dauergast in der Kantine den “Mannheimer Morgen” wohl etwas betriebsblind. Aber Gäste, die nicht so oft dort zu speisen pflegen, sind doch immer wieder nachgerade begeistert von dem Angebot des von Eurest geführten Betriebes. Für “externe” Gäste (zu denen ich mich als Nicht-Mitarbeiter der Zeitung auch zähle) fallen für ein Hauptgericht mit 2 Beilagen immerhin 5,40 Euro an, zzgl. Getränk stehen regelmäßig damit regelmäßig 6,20 Euro zu Buche – das ist für eine Kantine happig. Dafür stehen aber auch immer drei Gerichte zur Auswahl, zwei konventionelle und ein “Aktionsgericht”; je nachdem, ob die Kantine chinesische, itlalienische, Vital- oder sonstige Wochen feiert. Manchmal gibt es Ausgefallenes: Hirsch, Wildschwein, Edelfische, Putenrollbraten; an anderen Tagen aber auch (wohl um des kalkulatorischen Ausgleichs Willen) sehr einfache Gerichte: Käsesspätzle, Spaghetti Bolognese – so etwas.

Wer sich nicht auf ein Hauptgericht einlassen will, kann sich von Beilagen ernähren: Nudeln, Reis, Kartoffelbrei, Kraut, Suppe – das alles gibt’s im steten Wechsel recht preiswert ab 0,80 Euro pro Portion. Geschmacklich ist das alles zumeist in Ordnung, echte Ausreißer nach oben und unten gibt es selten. Ok – eines vielleicht: Die Nudeln sind überproportional häufig verkocht und die Soßen vielleicht ein bissel fad, aber zumindest Letzteres lässt sich durch einen beherzten Griff zur Pfeffermühle ändern. Und nicht selten wird man durch kreative Ideen bei den Desserts wieder versöhnt.

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Die Kantine des “MM” zeichnet sich durch ein nicht eben komplettes, aber ausreichendes Zusatzsortiment aus: Eis und Mohrenköpfe gehen wie die Hölle, Muffins und Donuts sind fein, die Kaffeestückchen verführerisch. Leider wurde die früher vorhandene, sensationell gute, aber wartungsintensive Kaffeemaschine durch einen gesichtslosen “selecta”-Automaten ersetzt – und so schmeckt der Kaffee jetzt auch.

Sei’s drum – wer sich im ernährungstechnisch recht unterentwickelten Gewerbegebiet “Wohlgelegen” am östlichen Rand des Stadtteils Neckarstadt bewegt, kann eine Nahrungsaufnahme in der Kantine des “MM” durchaus in Erwägung ziehen. Das Mobiliar ist – branchenüblich – nüchtern; zumindest aber strahlt der Parkettboden einen Hauch von konventioneller Gastronomie aus. In der näheren Umgebung findet sich die Kantine des “Duden”-Verlags (als Alternative empfehlenswert) sowie mehrere Imbiss-Restaurants, die sich rund um den Groß-Supermarkt “Marktkauf” geschart haben.

Wer richtig schön zu Mittag speisen will, fährt 5 Minuten mit dem Auto nach Feudenheim in die Gaststätte “Zum Neckartal”. Aber das wäre ein anderer Artikel.
Mein Beitrag zu “Mannheimer Morgen”-Kantine – Ich bin rkuehnl – auf Qype

Wo sind die deutschen Nachrichtensender?

January 4th, 2009

Heute Abend hat die israelische Armee die Bodenoffensive im Gaza-Streifen gestartet. Die Online-Portale (nur als Beispiele: Spiegel und DerWesten) reagierten schnell und bereiteten ihre Beiträge aus den wenigen zu dieser Zeit zur Verfügung stehenden Informationen auf.

Wer allerdings fern sah – der guckte in die Röhre. Die Nachrichtensender n-tv und N24 aktualisierten wohl ihre Webseiten unter Berufung auf Agenturen und eigene Korrespondenten – aber das TV-Programm lief unverändert weiter. In den Ticker-Bändern tauchten immer mal wieder “Breaking News”-Meldungen auf – mehr aber nicht. Die Sender blieben bei “Welt der Wunder” und den geplanten Reportagen. In den stündlichen Nachrichtensendungen gab es Beiträge in der formatgerechten Länge.

Ich habe mich gefragt: Was muss passieren, dass (wohlgemerkt) ein Nachrichten-Sender sein Programm unterbricht und aktuelles Bildmaterial über seinen Satelliten jagt? Immerhin entsteht hier vor Augen der Weltöffentlichkeit ein offener Krieg.

Wer sehen wollte, was sich aktuell tat, musste – wieder einmal – auf CNN zappen. Unter dem Label “Breaking News” gab es hier Sonderberichterstattung. Sicher – mit dunklen Bildern, auf denen sich die meiste Zeit nichts tat. Mit Wiederholungen von Interviews. Mit Korrespondenten, die auch nicht sehr nah am Geschehen dran waren, weil Journalisten keinen Zugang zum Gaza-Streifen hatten. Aber als Zuschauer hatte man dennoch das Gefühl informiert zu werden. Es gab Interviews und Statements mit Vertretern beider Seiten, Telefoninterviews mit Bewohnern des Gaza-Streifens, Analysen mehr oder minder unabhängiger Beobachter und Hintergründe, etwa über die Bevölkerungsdichte in Gaza-City und mögliche Angriffsziele. Man darf das wohl inzwischen als “CNN-Style” bezeichnen – denn im Falle der terroristischen Anschläge auf Mumbai (Bombay) war das ganz ähnlich. Als Mensch mit einer gewissen Halbbildung in der englischen Sprache war man also fein raus; mit Deutsch aber auf dem Abstellgleis. Aktuell (03.01.09, 23:55 Uhr) zeigt n-tv Männer, die Puppen lieben und N24 irgendwas über Restaurants.

Ich erinnere mich an Zeiten, als n-tv sich rühmte, “Partner-Sender von CNN” zu sein, Zugriff auf das Material hatte und einfach durchschaltete. Das ist nun – ganz offenbar – nicht mehr so. Warum die deutschen Nachrichten-Sender ihr ureigenes Feld scheinbar widerstandslos aufgeben, erschließt sich mir nicht. Das zu bewerten, dazu fehlen mir auch die Hintergründe. Ich kann nur wiedergeben, was ich im Programm sehe – und das gefällt mir nicht. Bisher war ich der Meinung, ein News-Sender wartet nur auf Anlässe wie diesen, um dann die volle Kompetenz in technischer und redaktioneller Hinsicht (die es sicherlich gibt – viele der journalistischen Kollegen kenne ich persönlich…) auszuspielen. Revidiert.

An vielen öffentlichen Orten – in Gaststätten, auf Bahnhöfen, Flughäfen, selbst in Vorstandsetagen – laufen auf teuren Flatscreens den ganzen Tag über die deutschen Nachrichten-Sender – warum eigentlich noch? Nach dem Motto “online first” würden hier wahrscheinlich attraktiv aufgemachte Netz-Quellen mehr bringen – denn mehr als ein paar Textzeilen Info aus der Agentur liefern die deutschen Sender auch nicht.

Hatschi! – Hallo, Du neues Jahr!

January 3rd, 2009

Na, das kann ich ja leiden – da mache ich schon mal den ersten zweiten meiner guten Vorsätze wahr (ja, denn stoßgelüftet hatte ich bereits!), da bekomme ich ihn doch gleich wieder madig gemacht. Ich stehe also heute früh als Erster (was ein ansonsten ein Unmöglichkum ist!) vorm Tresen bei dem Friseur, bei dem man keinen Termin braucht (und deshalb normalerweise 45 Minuten wartet…), um aus dem Gewölle auf meinem Kopf wieder eine Frisur, die diese Bezeichnung verdient, machen zu lassen – und komme sofort dran.

Die junge Dame hinter dem Tresen kannte ich noch nicht, sie machte einen überschaubar lustvollen belustigten …also was ich sagen will: sie hatte keinen Bock zu arbeiten… Eindruck und wies mir den nächstbesten Sessel am Waschbecken zu. Haarewaschen, mir auf der Haube rumwühlen, in 20 Zentimeter Körperabstand an mir rumarbeiten – alles fein… bis es zu diesem Nasennebenhöhledurchpusten  gepaart mit einem tiefen Geröchel aus der Bronchie unten hinten links, das sich auf dem Weg durch die Lunge zu einem schleimigen Grollen emporbrodelte und in hallendem Kehlkopfpfeifen endete, kam. Ich: “Oh, Schnupfen?” Sie (bis dahin wortlos): “Nja. Ngeht seit swei Wochnn. Nnnschlimm. (Nase hochzieh) Nmit Ngliederschmzn und allem. N’und da: n’aufgesrprungene Libbn. Nhat beim Sekttrinken an Nsilvester ganz doll gebrannt. N’furchtbar…”

Soweit, so tragisch. Sie schneuzte seitlich weg – und wühlte weiter in meinen Haaren. Ich: “Ach. Und Sie wollten nicht vielleicht besser zu Hause geblieben sein?” Sie: “N’ach. Nnee. Da nwird nmir ndoch eh nnur nlangweilig. Nda nkann ich ndoch nauch hier nsein” (trompeeet).

Okeh. Hier sein und Kunden anstecken. Riesengeschichte. Nun bin ich nicht nur hyperaktiv, sondern auch hypochonder und habe mir sofort eine Krisenstrategie zurecht gelegt: Flach atmen, Fäuste hoch und wegducken – um den viralen Angriff der ersten Welle mechanisch abzuwehren. Geplante Phase 2: Schnell nach Hause und alles einwerfen, was irgendwie nach Medizin ausschaut. Vor allem diese lustigen, oft geschmähten und verniedlichten Homöopathie-Tropfen, auf denen steht: “Prophylaktisch gegen Viral-Erkrankungen. 3x täglich 10 Tropfen.” Her mit euch, Wunderzeug! Doch bis daheim war es zu diesem Zeitpunkt noch ein Weilchen…

Dennoch die berechtigte Frage: Müssen diese lebendigen Bazillenschleudern ihr Unwesen treiben? Mich verängstigen und ihren Rotz ihre Krankheitserreger in die Welt hinaustragen? Eine Pandemie auslösen? Die ohnehin kränkelnde Volkswirtschaft weiter schwächen.?

Das waren so meine Gedanken, als ich gedankenverloren am Bäcker-Tresen stand und ein 1000-Gramm-Roggenmischbrot bestellte. Als die Backwarenfachverkäuferin den Laib stolz in der nackten, plastikhandschuhbefreiten Hand hielt, fragte sie noch leise leidend: “Nwolln Sie’s ngeschniddn habm…?”

Sollte ich mich dieser Tage also fiebrig in einer Arztpraxis wiederfinden – dann hoffe ich zumindest auf eine solche Szene, die mir den Tag versüßen dürfte – wobei ich dann nur abbe Haare und kein abbes Bein hätte… Ansonsten: Ein frohes neues Jahr Euch allen *hust*!