Sprit-Spitzen

July 19th, 2008 by ralph Leave a reply »

Es gibt ihn wieder – den Tankwart. Relikt aus den frühen Tagen des Autmobilismus, verewigt in Heinz-Erhardt-Filmen der 60er Jahre. Heute baute er sich vor mir auf:

Herzlich Willkommen bei Shell. Womit darf ich Ihren Wagen betanken? Voll?

Er kam aus dem Nichts. War plötzlich da. Eine Service-Attacke aus dem Nirvana. Blitzgedanke: “Wo ist hier der Haken?” Auf den ersten Blick keinen entdeckt… Also gebe ich meine Bestellung auf, werde bedient und gebe mich damit um Längen souveräner als meine Nachfolgerin an der Zapfsäule, die von der Situation offenbar völlig überfordert ist und antwortet: “Ähhh… ähh… isch nemm dann mol… ääh… Subba-Nomaal, nä?”

Nachdem ich bezahlt habe – immerhin fast 1,49 EUR pro Liter – überlege ich mir, was wohl der wahre Hintergrund von Shells neuer Höflichkeit ist. Sicherlich nicht eine plötzlich entdeckte Menschenliebe. Ich erinnerte mich an Meldungen wie diese oder diese: Der Benzinklau geht um.

Auch in meinem eigenen redaktionellen Alltag spielen Spritdiebstähle eine immer größere Rolle: Hier ein ausgepumpter Bagger, dort Diesel bei einem LKW abgezapft. Nachrichten dieser Art finden immer häufiger ihren Platz in den Polzeiberichten. Folgerung: Die Treibstoffpreise lassen offenbar früher lautere Menschen zu kreativen Dieben werden. Wer hätte in diesen Rekordzeiten nicht schon gerne mal die Säulen-Zeche geprellt? Einfach nur, weil die hohen Preise so unmäßig unfair erscheinen.

Und hier schließt sich der Kreis zum Shell-Tankwart, der nicht nur den Wagen befüllt, sondern zugleich den “Gelegenheits-Wegfahrer” durch seine schiere Präsenz von dem rebellischen Vorhaben abbringt: Schon ein verhinderter Spritklau am Tag macht den Service-Tanker bezahlt, so meine zugegebenermaßen sehr grobe Überschlagsrechnung. Und eben auch, dass er so nett nachfragt: “Darf ich noch nach Ihrem Ölstand sehen?” – um dann mutmaßlich den diagnostizierten Fehlstand im Antriebsaggregat per Direktverkauf von Schmiermittel zu beheben.

Also – Gutmenschen sind die Pächter von Shell wohl nicht von heute auf morgen geworden. Die Service-Offensive entspringt wohl eher der uralten Weisheit: “Aus Schaden wird man klug.”

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  • gr4y
    Mir ist der Benzin jetzt schon zu teuer und solange der so teuer ist, mache ich keinen Führerschein.
    Außerdem fehlen die nötigen Mittel dafür, das ist aber ein anderes Thema.

    Sicher überlegt manch einer ob er ohne zu zahlen wegfährt, aber was bringt das? Man schädigt damit nur dem Tankwart und nicht den Konzernen oder dem Bund. Der Mineralölkonzern und der Bund kriegt sein Geld so oder so, ob da jetzt einer abgehauen ist oder nicht.

    Diebstahl ist also nicht unbedingt die Lösung!
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