Heute hat’s mich erwischt: Via @rednix bin ich auf Plurk.com gestoßen, just zu einer Zeit, als der Twitter mal wieder rumgezickt hat.
Und Plurk ist – das muss man fairerweise wohl auch als eingefleischter Twitterer zugeben – die DeLuxe-Version von Twitter. Oder anders gesagt: Twitter ist DOS, Buchstaben auf grünem Grund – und Plurk ist die Windows-Version davon. Ziemlich intuitiv, ziemlich schnell, mit einem ziemlich multimedialen Ansatz. Bilder und Videos (Flickr und YouTube) lassen sich nahtlos einbinden, die Kommunikation läuft nicht wie bei Twitter rein chronologisch, sondern in mehreren Micro-Threads gleichzeitig, die User kommen viel enger in Kontakt, bleiben in Instant-Messaging-Geschwindigkeit in verschiedenen Textfensterchen an ihren Themen hängen.
Die dynamisch gestaltete Oberfläche versucht durch ihre Mehrdimensionalität dem “Twittern 2.0″ Rechnung zu tragen und es übersichtlich zu halten – ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das bei hundert und mehr Freunden (= Gefollowten) noch funktioniert. “Nebenbei-Plurken” geht gar nicht: Plurken ist ein Fulltime-Job. Radio oder TV nebenbei – völlig überflüssig.
Der Suchtfaktor ist hoch, der Komfort durch das ständige Refresh-Klicken etwas eingeschränkt. Und doch kommt man nicht davon los. An meinem ersten “Plörk-Abend” haben sich 42 Freunde in meiner Timeline eingefunden, die meisten kamen von Twitter rüber, und das gab schon ganz schön viel konzentrierten Traffic. Viele User waren von Twitter und seinen zwischenzeitlichen Downtime-Aussetzern angenervt und hatten hier eine dankbare, nagelneue Plattform für weiteres Gezwitschere. Plurk ist mal eben eine Woche live, seine Features sind noch nicht alle ausgereift – und vor allem noch nicht vollständig. Was noch gänzlich fehlt, ist ein Desktop-Client und die Verknüpfung zu “etablierten” Web 2.0-Tools, etwa FriendFeed. Zwar arbeitet Plurk mit IM wie Gtalk zusammen, das steuert aber darauf hin mit steigender Frequenz in der Timeline ein recht wirres und unübersichtliches Unterfangen zu werden. Da scheint noch einiges Potenzial drinzustecken. Und zudem könnte es gut sein, dass die Plattform in ihrer frühen Lebensphase von neuen Usern förmlich überrannt wird, wenn der Plurk sich erst einmal rumspricht – und daraufhin in die Knie geht.
Ob sich Plurk gegen Twitter durchsetzt – da wage ich mal keine Prognose. Aber den Plurk zumindest zu beobachten lohnt sich ganz bestimmt.
NACHTRAG: Noch in der Nacht hat sich die Liste der Features verlängert: es gibt jetzt zum Beispiel auch Direct Messages (“private plurks”), Profil-Ansicht und Friends-Ansicht aus der Timeline heraus.
