Es plörkt im Web 2.0

May 30th, 2008 by Ralph Leave a reply »

Heute hat’s mich erwischt: Via @rednix bin ich auf Plurk.com gestoßen, just zu einer Zeit, als der Twitter mal wieder rumgezickt hat.

Und Plurk ist – das muss man fairerweise wohl auch als eingefleischter Twitterer zugeben – die DeLuxe-Version von Twitter. Oder anders gesagt: Twitter ist DOS, Buchstaben auf grünem Grund – und Plurk ist die Windows-Version davon. Ziemlich intuitiv, ziemlich schnell, mit einem ziemlich multimedialen Ansatz. Bilder und Videos (Flickr und YouTube) lassen sich nahtlos einbinden, die Kommunikation läuft nicht wie bei Twitter rein chronologisch, sondern in mehreren Micro-Threads gleichzeitig, die User kommen viel enger in Kontakt, bleiben in Instant-Messaging-Geschwindigkeit in verschiedenen Textfensterchen an ihren Themen hängen.

Die dynamisch gestaltete Oberfläche versucht durch ihre Mehrdimensionalität dem “Twittern 2.0″ Rechnung zu tragen und es übersichtlich zu halten – ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das bei hundert und mehr Freunden (= Gefollowten) noch funktioniert. “Nebenbei-Plurken” geht gar nicht: Plurken ist ein Fulltime-Job. Radio oder TV nebenbei – völlig überflüssig.

Der Suchtfaktor ist hoch, der Komfort durch das ständige Refresh-Klicken etwas eingeschränkt. Und doch kommt man nicht davon los. An meinem ersten “Plörk-Abend” haben sich 42 Freunde in meiner Timeline eingefunden, die meisten kamen von Twitter rüber, und das gab schon ganz schön viel konzentrierten Traffic. Viele User waren von Twitter und seinen zwischenzeitlichen Downtime-Aussetzern angenervt und hatten hier eine dankbare, nagelneue Plattform für weiteres Gezwitschere. Plurk ist mal eben eine Woche live, seine Features sind noch nicht alle ausgereift – und vor allem noch nicht vollständig. Was noch gänzlich fehlt, ist ein Desktop-Client und die Verknüpfung zu “etablierten” Web 2.0-Tools, etwa FriendFeed. Zwar arbeitet Plurk mit IM wie Gtalk zusammen, das steuert aber darauf hin mit steigender Frequenz in der Timeline ein recht wirres und unübersichtliches Unterfangen zu werden. Da scheint noch einiges Potenzial drinzustecken. Und zudem könnte es gut sein, dass die Plattform in ihrer frühen Lebensphase von neuen Usern förmlich überrannt wird, wenn der Plurk sich erst einmal rumspricht – und daraufhin in die Knie geht.

Ob sich Plurk gegen Twitter durchsetzt – da wage ich mal keine Prognose. Aber den Plurk zumindest zu beobachten lohnt sich ganz bestimmt.

NACHTRAG: Noch in der Nacht hat sich die Liste der Features verlängert: es gibt jetzt zum Beispiel auch Direct Messages (“private plurks”), Profil-Ansicht und Friends-Ansicht aus der Timeline heraus.


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  1. gerade mit dazu gestoßen.
    und vor ein paar tagen erst zu twitter.
    daher hab ich als blutiger anfänger den direkten vergleich zwischen beiden systemen, konnte mich noch nicht an was “gewöhnen”.
    und ja, beobachtung scheint auf jeden fall lohnenswert.
    erster eindruck wird bestätigt (vgl. DOS/windows gefällt mir sehr gut).

  2. Nils Hitze says:

    Da sieht mans wieder ich bin eben doch ein Konsolenfan, Twitter ist mir nämlich mit dem linearen Ansatz lieber, aber wer weiss ob die erste Plörkdesktopapplication meine Meinung nicht ändert.

  3. ich finds ganz witzig, aber grad die einfachheit und die wenigen features von twitter sind doch das angenehme.

  4. Matthias says:

    Bin noch skeptisch, auch wenn “plurken” wirklich Spaß macht und ich bei Twitter am Anfang auch skeptisch war ;O) Ich würde mal abwarten, bis sich der Hype etwas gelegt hat. Ohne vernünftige API wird sich Plurk bestimmt nicht durchsetzen, denn so schön das im Browser umgesetzt wurde, so umständlich ist es halt auch, immer wieder das Plurk-Tab anzuklicken, um nachzusehen, was sich gerade so tut …

  5. Tapio Liller says:

    Das ist schon eine schwierige Balance aus Einfachheit und Mehrdimensionalität in der Diskussion. Plurk macht das im Web sehr hübsch, aber ich teile Matthias Meinung, dass es erst mit API und Clients wirklich interessant wird. Den Hammer finde ich aber die ultraschnelle Verbreitung über Twitter. Dazu auch http://www.opensourcepr.de/2008/05/31/blok-plurk/

  6. Ugugu says:

    tendiere in richtung paulinepauline…

  7. redaktusse says:

    schöner vergleich. plurk ist wirklich toll und macht süchtig, aber langsam, mit zunehmenden kontakten, wird es unübersichtlich. ich denke, ich werde mich dann auch wieder auf twitter besinnen.

  8. redaktusse says:

    hab ich das geschrieben? wirklich? waaah! natürlich rockt plurk um einiges mehr, vor allem nachdem heut twitter wieder ständig down war ;)

  9. Yzerman says:

    Bin erst seit zwei tagen dabei und auch mich hat es (im moment noch) gepackt.

    Erst mal sehen, ob ich auch dabei bleibe. Bis jetzt sieht es ganz danach aus. Allein schon wegen der möglichkeit, auf die kommentare direkt zu antworten.

    Sicherlich gibt es auch hier dinge, die noch besser sein könnten. Ich sehe z.b. meine kommentare leider nur in der eigenen zeitleiste und nicht in der allgemeinen. Ist das normal?

    Mein fazit:
    Wenn Twitter DOS ist und Plurk Windows, dann fehlt nur noch die (fast) perfekte MacOS version. ;-)

    Bis dahin…

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