Nein, ich habe kein ominöses Päckchen mit einem Handy, einer Zahnbürste und einem Rasierer bekommen. Ich bin ja auch kein Alpha-Blogger, sondern nur regionalisierender Lokaljournalist. Und was soll ich sagen? Jeder bekommt die Post, die er verdient.
Ich bekomme Einladungen wie diese:

Keine schnöde Email. Echte Post. Feiner Karton, designmäßig aufgerüscht, bedruckt mit einer Auswahl leckerer, tja… man sieht hin… und sieht nochmal hin… und es bleiben: Würste. Also: WÜRSTE! Grobe, feine, gewürzte, gekochte, geräucherte… WÜRSTE. Und dahinter steckt: Die persönliche Einladung zur Pressekonferenz eines Wurstherstellers mit der Präsentation seines neuesten Produkts: “Pfälzer Leberwurst im Becher”. Und nicht etwa global an die gesamte Redaktion adressiert – nein: handschriftlich eingesetzt: mein Name! Bin ich Fleischer-Fachjournalist? Hat jemand mein XING-Profil gehackt und unter “Ich suche” so etwas wie “Wurst-Fortbildung” eingetragen? Hmmm…
Ich gebe es ehrlich zu: Ich war ganz kurz davor, zu dieser Pressekonferenz zuzusagen. Alleine schon, um die Vorzüge von Pfälzer Leberwurst IM BECHER zu eruieren. Um Informationen aus erster Hand zu bekommen. Um Basisrecherche zu betreiben. Um kritische Fragen zu stellen: “Steht die Öko-Bilanz eines Plastikbechers nicht um Längen hinter jener der klassischen Leberwurstdose zurück?” Oder: “Wird es einen Wurstplastikbecheröffner geben so wie es einen Wurstdosenöffner gibt?” Oder ich hätte einfach nur hingehen können, um jenen Menschen, die mich persönlich eingeladen haben, Respekt zu zollen. Doch blöderweise hatte ich an jenem Tag zwei Sendungen zu moderieren. Schade. Hach.
